Baron - Torpor - Cover
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Baron Torpor


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wunderbar atmosphärisch, vielschichtig und spannend sitzen die Briten zwischen den Genre-Stühlen.

Baron ist eine noch sehr junge Band aus dem Vereinigten Königreich, welche mit „Torpor“ zum zweiten Schlag ausholt. Vorher gab es das Debüt „Columns“ (2013) sowie einer 7'' („New Follower/Comea“). Wer bisher noch nichts von der Gruppe, welche ihre Musik gerne als „Neo-Monastic Byzantine Pastoral Kraut-Drone-Lettuce-Rock“, gehört hat, hat zumindest jetzt die Chance, Alex Crispin, Luke Foster, Peter Evans und Blue Firth kennen zu lernen. Und die doofe Genrebezeichnung direkt zu streichen. Teile des Albums haben Baron übrigens in Purton Green aufgenommen, einem der bekanntesten erhaltenen mittelalterlichen Dörfer in England - dies allerdings nicht ganz legal. Ob es „Torpor“ gebraucht hätte, ist zu bezweifeln. Das Album pachtet eine außerordentlich dichte Atmosphäre, auch ohne dass ein solches Gimmick extra genannt werden muss.

Heruntergebrochen spielen Baron Retro-Prog der skandinavischen Schule, welcher nur allzu gerne einen Flirt mit Art- und Post-Rock sowie dezentem Folk eingeht. Insgesamt lebt „Torpor“ von einer herrlich schwelgerischen, unwirklichen Atmosphäre und ist sicher eines dieser Herbst-Alben, welche genau zur richtigen Zeit veröffentlicht werden. Allein „Dragonfly“ und „Mark Maker“ geben direkt die Richtung von „Torpor“ an, was der Hörer zu erwarten hat und was Baron von ihm wollen. Hier zelebrieren die Musiker mittels dominantem Orgeleinsatz regelrecht einen mystischen, beinahe sakralen Grundton, welcher in seiner Reduziertheit an die „F-Musik“ (gaaanz vorsichtig ausgedrückt) einer Band wie Sabbath Assembly erinnert. „Wild Cry“ macht seinem Namen sicherlich keinesfalls Ehre, ist aber beinahe poppig und luftig-leicht, bevor das Grundgerüst abermals mit Orgelklängen bereichert wird. Näher an „handelsüblichem“ Progressive Rock werden Baron auf „Torpor“ nicht mehr kommen.

Das brauchen Baron aber auch gar nicht. Sie kochen ihr eigenes Süppchen, haben sich einen tatsächlich eigenen (und funktionierenden) Sound erarbeitet, wobei eventuelle Inspirationen zumindest erahnt werden können: Anekdoten, Alcest, The Pineapple Thief, Änglagard, die Landsmänner von Messenger oder auch Talk Talk in ihrer Spätphase. Von intim anmutenden, hauptsächlich akustisch dargebotenen Nummern wie „Dark Down“ oder „Albedo Dei“ reicht Barons musikalische Reise tatsächlich bis zu Trip-Hop-Beats, die schließlich in gigantische Wall of Sounds führen, welche nur wenige Zentimeter vom (Post-)Metal entfernt sind („Stry“). Nehmen sich Baron genügend Zeit, dann wird dabei auch etwas Gutes herauskommen: „Sleepless“ (mit weiblichem Backgroundgesang und Violinen) oder das folgende „Deeper Align“ (Hippie wird zu Doom) bringen die Vorgehensweise der Briten auf die Spitze. Trotz der Tatsache, dass Baron die Zurückhaltung zelebrieren, wühlen die Kompositionen auf, laden zum aufmerksamen Zuhören ein.

Aufmerksames Zuhören - etwas, was Werke wie „Torpor“ grundsätzlich verlangen, was das große Ziel einer Band wie Baron ist: Wenn wir ehrlich sind, braucht es dazu aber mehr, als nur atmosphärisches Geschwurbel oder komplexe Klangarchitekturen. Es braucht Substanz. Und schnell wird klar, dass Baron genau solche bieten. Man ist als Hörer einfach interessiert und mitgerissen. Und genau das zeichnet „Torpor“ aus. Baron selbst versuchten eine Brücke zwischen der Landschaft ihrer Heimat und den zahlreichen Geschichten und Mythologien zu bauen. Ob es ihnen gelungen ist oder nicht, kommt darauf an, wie sehr man sich auf „Torpor“ einlässt. Dass „Torpor“ aber ein fantastisches musikalisches Kleinod ist, welches den Prog als Basis nimmt und sich nach und nach in ganz andere Richtungen bewegt, steht außer Frage.

Anspieltipps:

  • Mark Maker
  • Dark Down
  • Stry
  • Sleepless
  • Deeper Align

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