Death Hawks - Sun Future Moon - Cover
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Death Hawks Sun Future Moon


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Retro-Rock, Prog der skandinavischen Schule und Post-Rock treiben dieses Album in einen mysteriösen Abgrund aus Unaufgeregtheit und Aufbruchsstimmung.

„Wie Cover-Artworks blenden können“ oder „Death Hawks - was ist das eigentlich?“: Es könnte sich hier um den gemeinen Retro-Rocker handeln, um Progheads, welche sich experimentell vom „normalen“ Progressive Rock entfernen, vielleicht auch um Lo-Fi-Stoner-Shit oder um kauzigen Folk. Die Lösung: Das Stoner-Beispiel nehmen wir mal raus (aber hey, es hätte sein können!) und den Rest mischen wir so gut miteinander, dass zwar alles irgendwie durcheinander ist, aber ein Wiedererkennungswert entsteht. Die im Jahre 2010 gegründeten Death Hawks holen zum dritten Streich aus und bleiben jedenfalls die Platzhirsche, welche sie schon immer waren.

Auch wenn die Death Hawks irgendwie schon als Teil der mittlerweile so präsenten Retro-Riege gezählt werden können, versuchen sie anscheinend gerade, da raus zu kommen. Ihr Sound ist jedenfalls ziemlich finnisch (vielleicht sogar schon zu finnisch), außerordentlich atmosphärisch, beinahe entspannt und experimentell. Wie Retro- und Post-Rock zusammenpassen? Die Finnen zeigen es nicht nur ein Mal. Das beweisen die vier Herren beispielsweise schon im Opener „Hey Ya Sun Ra“, der die Gangart exzellent beschreibt. Die Death Hawks pflegen ihr gekonntes Understatement. Wenn es mal mehr in die Manege des Retro-Zirkus soll, dann allerhöchstens auf dem Niveau von den Nachbarn Sammal. Viel mehr wenden sich Death Hawks dem Prog und - wie bereits erwähnt - dem Post-Rock zu. „Ripe Fruits“, „Behind Thyme“ als folkige Post-Rock-Ballade mit Waldschrat-Ästethik, ein intimes „Future Moon“ oder das elektronisch gewürzte „Dream Machine“ bekommen von einem verträumten, doch treibenden Piano ihre Magie, atmen den Geist der Skandinavischen Schule, ein Saxophon ertönt immer wieder auf dezente Art und Weise - jedoch nie so dezent, dass es untergeht oder überhört wird. Unterkühlt und mystisch werden aber alle Kompositionen präsentiert. Das ist die größte Stärke der Band. Alles wirkt entspannt, alles ist ruhig und dennoch strahlt „Sun Future Moon“ eine merkwürdige Aufgeregtheit aus - Alcest lassen grüßen.

Passieren kann so einiges. Hier ist ein unheimliches, psychedelisches „Seaweed“, da das funkige „Heed The Calling“ und schließlich wird das mit Samples durchzogene „Dream Life, Waking Life“ zur spannendsten Fahrstuhlmusik aller Zeiten... oder so? Interessanterweise passt alles irgendwie zueinander. Ihren eigenen Sound, ihre eigene Identität haben die Death Hawks jedenfalls gefunden und die Genres, welche ihnen als Inspirationslieferanten dienten, werden lediglich angekratzt. Die Finnen arbeiten regelrecht mit ihnen, ohne sich zuordnen lassen zu wollen. Am Ende kommt mit „Sun Future Moon“ ein Album heraus, welches krautrockig, psychedelisch, proggy, retro und/oder postig ist, aber irgendwie dann doch gar nichts von all dem - zumindest auf das erste Hinhören. Nein, die Death Hawks sind einfach die Death Hawks und das ist wohl das größte Kompliment, welches man einer aufstrebenden Band machen kann. Ein kleiner aber feiner Geheimtipp für sehr offene Hörer, welche im besten Falle musikalisch schon sehr weit herumgekommen sind.

Anspieltipps:

  • Hey Ya Sun Ra
  • Dream Machine
  • Behind Thyme
  • Seaweed
  • Heed The Calling

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