Julian & Der Fux - Vanille - Cover
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Julian & Der Fux Vanille


  • Label: Daily Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn zeitreisende Modern Talking und Miley Cyrus Falco zum Clubstar hätten machen wollen, dann wären wahrscheinlich Julian & Der Fux das Ergebnis.

Julian & Der Fux sorgen wieder für Gänsehaut in den Clubs, denn wenn so eine Stimme hinter einem ertönt, fühlen die meisten in der Regel den heftigen Drang zu duschen. Die gelackte, schleimige Stimme mit leichtem „Austria“-Flair stellt den in „Egoist“ hochmütig tuenden Falco ganz schnell und locker in den Schatten. Mit auf ähnlich alt klingend getrimmten Beats schmust sich diese an Modern Talking erinnernde Musik derart unangenehm an die Ohren, dass ironische Hipster vor Aufregung mit den Händen klatschen und den Hüften wackeln. Wer solche Vergleiche nicht gelten lassen möchte, der hört sich nochmal „Nie Genug“ an und hinterfragt den eigenen Geschmack.

Es gibt manche Dinge, die nicht durch Ironie besser werden. Doch nicht wenige lassen sich von vermeintlicher Ironie blenden, wenn sie dann nur endlich daran Spaß haben dürfen, woran sonst nur andere Freude finden. Es ist kein Verbrechen, wenn man „Vanille“ ordentlich abfeiert. Nur muss man sich dann auch fragen lassen, ob man den ganzen Plastik-Pop der letzten 30 Jahre auch auf der Habenseite der großen Musikerrungenschaften sehen möchte. Die steile These: Wenn „Vanille“ ein starkes Stück Musik ist, dann ist Miley Cirus' „Wrecking Ball“ die kulminierte Höchstleistung dessen, was Pop-Musik erreichen kann.

Wer sich zusätzlich in der jüngeren Vergangenheit umschaut, der wird die Sünden schnell ausmachen können. Günthers „Ding Dong Song“ ist ein Kniefall vor dem Erfolg der (in diesem Fall gewollten) Geschmacksverirrung und Polarkreis 18 scheiterten unter anderem an „Deine Liebe“, als Modern Talking als Einfluss den Song unweigerlich dem Kitsch preisgaben. Genau auf dieser Schiene schmieren Julian & Der Fux ihre oftmals sehr einfache Elektro-Musik fest in Gehörgänge, die allerdings bei einiger Überlegung schnell jeglichen Reiz verliert. Und wenn tatsächlich mal auf anspruchsvolle Arrangements gesetzt wird, dann lösen sich diese wie in „Soda Momente“ in Luft auf und lassen Hörerohren unbefriedigt zurück.

Zumindest gibt es auf zweiten Hälfte tatsächlich auch ein paar Momente, die das Produzentendasein der Künstler hervorheben. „Weiß In Weiß“ und „Stadt, Land, Frust“ sind stark gemachte Einzelstücke, die den Retro-Faktor fast ohne Kitsch ausspielen, auch wenn letzterer Track auf abgehalfterte DubStep-Elemente setzt. Das Selbstbewusstsein, das am Anfang fast schon widerlich schleimig daherkommt, wird dann in „99 Cent“ und „Mischduft“ allerdings doch noch dermaßen übertrieben eingesetzt, dass Kitsch und Blödsinn tatsächlich zur Freude werden und für grinsende Gesichter sorgen. Ganz ohne Fremdscham geht das zwar nicht, aber zumindest schafft das Duo es, den gelebten Schwachsinn bis zum Ende des Albums als eigene Identität glaubwürdig zu vermitteln. Das macht die Musik, wie zu Beginn betont wird, nicht zum Überflieger, doch den „Guilty Pleasure“-Stempel darf die Band sich am Ende auf jeden Fall abholen. Frei nach der wenig hilfreichen Empfehlung: Wer's mag!

Anspieltipps:

  • Der Blues
  • Tee & Kaffee
  • Das Zauberpferd

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