Placebo - MTV Unplugged - Cover
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Placebo MTV Unplugged


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 75 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Placebo nehmen sich des Urgedankens der Unplugged-Reihe an und verzichten dabei auf Netz und doppelten Boden.

Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Marke „MTV Unplugged“ in letzter Zeit auf inflationäre Art und Weise verbraucht wird. Wer nicht bei drei auf dem Baum ist, wird mit einer Einladung geködert. Album- und DVD-Produktion eingeschlossen. Nach langer Ankündigung sind aktuell Placebo an der Reihe, ihren Unplugged-Auftritt unters Volk zu bringen. Aufgenommen am 19. August 2015 in London, ist Placebos Unplugged-Gig eine Rückkehr zu den Wurzeln der ehemaligen Indie-Band, die sich in den vergangenen 20 Jahren in die erste Liga des Rock gespielt hat und in den Charts immer vorne mit dabei ist. Für die Engländer sind akustische Sets keine Besonderheit. Also sollten sie in der Lage sein, den Grundgedanken von „MTV Unplugged“ spielerisch leicht umzusetzen.

Dazu wünschen sich die Fans, dass ein paar selten gespielte Songs aus der Mottenkiste geholt werden, die bekannten Stücke in neuen Arrangements glänzen und eventuell ein paar Coverversionen eingestreut werden. Dies alles ist mit einem gewissen Risiko für die Musiker verbunden, doch das aktuelle Musikgeschehen ist schon langweilig genug, so dass dies unbedingt in Kauf genommen werden sollte. Denn nur so entstehen spannende Mitschnitte, die die Magie am Leben erhalten, die bei dem Begriff „MTV Unplugged“ immer noch mitschwebt.

Placebo bringen darüber hinaus noch den Faktor Spontanität ins Spiel, indem sie ihre Unplugged-Show nur einmal geprobt und in einem Rutsch runtergespielt haben. Aus dieser Situation heraus sind echte Glücksmomente entstanden („Because I want you“), aber auch ein paar missglückte Versionen, wie das arg im Tempo gedrosselte „Every me every you“ im Duett mit Majke Voss Romme. Aber das gehört dazu und bringt Leben in die Bude. Wer Sterilität wünscht, frage bitte bei Bon Jovi an.

Placebo zelebrieren die akustische Komponente mit großer Konsequenz und wecken damit Erinnerungen an die großen Unplugged-Konzerte der 90er Jahre. Die übliche Wall of Sound ihrer Konzerte wird komplett gestrichen. Streicher ersetzen E-Gitarren, rhythmische Percussion tilgt die wuchtigen Drums und Pianoklänge untermalen die nicht alltägliche Stimme von Brian Molko (42). Dazu kommen mit „Where is my mind“ (Pixies) und „Jackie“ (Sinead O’Connor) zwei treffsicher ausgewählte Coverversionen, die das Set abrunden.

Placebos „MTV Unplugged“ ist ein mutiges Album. Denn die Band inklusive ihres neuen Drummers Matt Lunn nimmt sich des Urgedankens der Unplugged-Reihe an und verzichtet dabei auf ein Netz und einen doppelten Boden. Dadurch schleichen sich ein paar schwächere Neufassungen in die Songliste ein, die am Ende aber immer noch von so viel Qualität ist, dass der geneigte Hörer das gefühlte Überangebot von Unplugged-Produktionen in Kauf nehmen und hier zuschlagen muss.

Anspieltipps:

  • Jackie
  • Loud like love
  • Too many friends
  • Where is my mind
  • Because I want you
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