Adele - 25 - Cover
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Adele 25


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer die rosarote Fanbrille ablegt, muss eingestehen, dass „25“ die Erwartungen nicht erfüllt, auch wenn das Album eine Handvoll gelungener Songs beinhaltet.

Es gibt tatsächlich noch Alben, auf die die ganze Musikwelt wartet, die wirklich und wahrhaftig aus dem völlig unüberschaubar gewordenen Veröffentlichungswust, in dem selbst vermeintliche Top-Themen wie Blei-Enten untergehen, herausragen. Sprich: Kein Genre-Phänomen, keine heiße Luft von alternden Stars, die nur ein Argument benötigen, um auf Tournee ihre nächsten Millionen scheffeln zu können und kein von Plattenfirmen aufgeblasener Hype um den x-ten völlig durchschnittlichen Künstler.

„25“ von Adele ist so ein Album, das in der Musikwelt selten geworden ist. Online-Händler und Multi-Media-Märkte ballern sich die Lager damit voll, weil sie sicher sein können, dass es sich physisch hervorragend verkaufen wird, auch wenn die Stream- und Download-Portale im Internet glühen. Egal wie gut oder schlecht „25“ sein mag: Dieses Album wird keines sein, das sich trotz immenser Erwartungshaltung und Vorfreude, am Ende nur schwer röchelnd über die Millionen-Verkaufsmarke retten wird, weil das als vorhanden geglaubte Publikum gar keinen Bock mehr auf den Künstler hat.

Adeles letztes Album „21“ liegt vier Jahre zurück. Eigentlich zu lange im Pop-Zirkus. Doch es versorgte die Welt mit unsterblichen Hits wie „Set fire to the rain“ und „Rolling in the deep“. Es instruierte Adele als neue Pop-Ikone und wanderte in den Besitz von mehr als 30 Millionen Haushalten, die bereits von der vorab aus „25“ ausgekoppelten Single „Hello“ in Raserei versetzt wurden und das Lied millionenfach streamten. Die Rekorde purzeln also schon wieder. Wie gut, dass „25“ nun endlich da ist.

Angeführt von den dramatischen Klängen der ersten Single „Hello“, überrascht Adele bereits mit dem zweiten Song „Send my love (to your new lover)“, der von Hit-Macher Max Martin (Britney Spears, Taylor Swift, Katy Perry) produziert wurde und Adele als locker-flockige Teen-Pop-Interpretin zeigt. Ungewöhnlich, aber im Adele-Kosmos muss es ja auch abseits von Tränen, Pathos und Dramatik etwas geben, wobei ihr Letzteres immer noch am besten steht. Dann kommt ihre gewaltige Stimme so richtig zur Geltung und zieht damit auch mal nicht so gelungene Stücke aus der Schusslinie.

Die Erwartung an „25“ ist simpel: Adele soll nicht experimentieren, sondern die Hits ihrer ersten beiden Alben reproduzieren, ohne dass sie als Selbstplagiat auffallen. Dazu wurden neben Max Martin noch die Top-Produzenten Brian „Danger Mouse“ Burton, Paul Epworth und Greg Kurstin ins Boot geholt, die ein voluminös klingendes Werk aus dem Boden gestampft haben, das selbst bei reduzierten Stücken wie „Million years ago“ noch unfassbare Resonanzen mitbringt. Das liegt natürlich an Adeles Prachtstimme, die auch auf „25“ alles in den Schatten stellt und hauptsächlich mit bombastischen Balladen wie keine Zweite auf die Tränendrüse drückt („All I ask“).

Auf diesem durchaus schmalen Grat liefert die 27-Jährige Stücke wie „When we were young“, „Remedy“, „Water under the bridge“, „Love in the dark“ und natürlich „Hello“ ab, die den Anforderungen der Fans gerecht werden sollten. Doch damit ist erst die halbe Miete drin. Und hier beginnt ein wenig das Problem von „25“. Denn selbst die genannten Tracks zünden nicht so, wie es der Hörer erhofft hatte, während die übrigen Stücke den Großtaten der Vergangenheit noch weniger hinterherkommen.

Stattdessen fehlt „25“ fast komplett die musikalische Lockerheit, mit der sich selbst von extremem Pathos geprägter Soul-Pop bewältigen ließe. So aber setzen Adele und ihre Produzenten auf „25“ zu ausgeprägt auf Bombast und Pianoballaden und verfehlen damit leider die hohen Erwartungen.

Anspieltipps:

  • Hello
  • Remedy
  • Love in the dark
  • When we were young
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