Octanic - The Mask Of Hypocrisy - Cover
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Octanic The Mask Of Hypocrisy


  • Label: Into Records/CARGO
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Extreme Genre-Akrobatik aus Australien, welche zur Abwechslung auch mal wirklich schön anzuschauen ist.

Australien ist ja nicht das typische Metal-Land. Exporte hat Down Under aber dennoch ohne Ende zu bieten und mit Octanic schickt das südaustralische Adelaide gleich mal einen ganz heißen Geheimtipp ins Rennen. Octanic sind Jay Shepherdson (Gesang), Andrew Baillie (Keyboard), Daniel Cederblad (Gitarre, Hintergrundgesang), Stefan Butler (Gitarre), Aaron Cains (Bass, Hintergrundgesang) und Scott Powell (Schlagzeug). In ihrer Heimat konnten sie sich besonders live einen Namen machen und spielten im Vorprogramm von In Flames, Dark Tranquility, Children Of Bodom oder Soilwork - übrigens ziemlich passende Bands, denn jede einzelne könnte als Inspiration gedient haben. Allerdings muss man in Sachen Schubladendenken noch einen Schritt weiter gehen, wenn man über Octanic sprechen will. Schon mal von der unbeliebten, oft kritisierten Theorie gehört, dass die Children Of Bodom streng genommen extremen Power Metal spielen? Nun denn: Willkommen in der Welt von Octanic, denn bei ihnen greift sie teilweise.

Octanics Musik ist hauptsächlich eins: ein gigantischer Genremix. Melodic Death Metal trifft auf opulenten Symphonic Metal. Vielleicht handelt es sich hier auch um Viking Metal ohne entsprechende Thematik (Falconer zählen an dieser Stelle mal ausnahmsweise nicht). Sozusagen sind Octanic die Anti-Amon Amarth. Kenner und Genre-Akademiker werden es verstehen. Hin und wieder blitzen (extrem) dezente Core- oder Nu-Elemente hervor, was „The Mask Of Hypocrisy“ schließlich ziemlich modern erscheinen lässt. Wie ein roter Faden zieht sich zudem die Catchiness durch das komplette Album. Die Australier verstehen es, Ohrwürmer, Killer-Refrains und Euphorie-Klopper zu schreiben. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am kurzweiligen Vergnügen trägt dabei das beinahe omnipräsente Keyboard, welches zwar stellenweise ein wenig zu künstlich daherkommt, aber beinahe der alleinige Melodienlieferant ist. Ohne den harschen Screams und Growls vom Frontmann Jason Shepherdson könnten Octanic, um es nochmal zu sagen, durchaus als Power-Metal-Kapelle der frühen und mittleren Nullerjahre durchgehen. Hie und da klingen sie sogar ein wenig italienisch, würzen ihre Songs mit allerlei sphärischen Elementen, melancholischem Pianospiel (alleine das Intro des stampfenden „Addict“) oder gleich mit der Orchester-Konserve.

Das geht allerdings alles wunderbar auf. Tatsächlich ist der Sound Octanics unverbraucht und wird von den Jungs sinnvoll erweitert, wodurch „The Mask Of Hypocrisy“ angenehm die Waage halten kann. Weder klingen die Songs zu gewollt, noch zu eingängig. Details haben die Australier an allen Ecken und Enden versteckt. Vor allem soll das Album aber Spaß bringen und hier spielen Octanic ihren größten Trumpf aus. „Aeternus Imperium“, „King For A Day“, „Pariah“ oder „Purging The Maelstrom“ sind allesamt große Hymnen, die sich in den Gehörgängen festsetzen. Beinahe experimentell zeigt sich die Band mit „Deadworld“, einem schleppenden Monstrum, welches Growls, beinahe an Nu-Metal angelegten Rap und gegen Ende sogar opernhaften Gesang bietet, zwischendurch sogar mit leicht progressivem Aufbau. Mit „Solus“ bewegen sich Octanic schließlich in balladeske Gewässer, ohne in jenen zu ertrinken. Die melancholische Nummer behält ihren Biss. Das Album endet knallhart und modern in Form von „The Devil Pays Higher“, einem Song, der den Sound der Band nochmal auf den Punkt bringt: Aus groovigem, rhythmischem Metal wird nach und nach eine blitzschnelle Bombast-Nummer, getragen von herrlichen Gitarrensoli und opulentem Keyboardspiel.

Fazit: „The Mask Of Hypocrisy“ ist nach dem selbstbetitelten Indie-Release im Jahre 2012 Octanics gelungenes Debüt, das ohne Frage aufhorchen lässt. Vergnüglich und mitreißend zugleich platzieren sich die Australier als Newcomer, die durchaus mal angespielt werden sollten. Durch ihr breites Portfolio setzen sie sich jedenfalls von anderen Melo-Todeskünstlern ab und sind kaum ausschließlich einem Genre zuzuordnen. Dass ihre Vorgehensweise funktioniert, spricht für Octanic und es wäre gelacht, wenn sie ihr Zielpublikum nicht aus ganz verschiedenen Winkeln der Metal-Welt abholen sollten.

Anspieltipps:

  • Aeternus Imperium
  • King For A Day
  • Addict
  • Purging The Maelstrom
  • The Devil Pays Higher

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