Saltatio Mortis - Zirkus Zeitgeist: Ohne Strom Und Stecker - Cover
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Saltatio Mortis Zirkus Zeitgeist: Ohne Strom Und Stecker


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Saltatio Mortis kritisieren in „Willkommen in der Weihnachtszeit“ die kommerziellen Mechanismen des Fests der Liebe - und schließen sich diesen mit dem vorliegenden Album konsequent an.

Knapp drei Monate nach der Veröffentlichung eines neuen Studioalbums eben jenes in einer überarbeiteten Version noch einmal auf den Markt zu bringen, ist irgendwie… grenzwertig. Freilich: Verbieten kann man es niemandem und kaufen muss es auch keiner, aber jeder weiß, wie Fans gepolt sind und dass sie damit auf ziemlich simple Art und Weise noch einmal zur Kasse gebeten werden. Denn wer, wenn nicht die beinharten Anhänger, sollten sich „Zirkus Zeitgeist“ (08/2015) von Saltatio Mortis nun noch einmal als Unplugged-Album „Ohne Strom und Stecker“ ein zweites Mal kaufen? Der Plan ist trotzdem schlau. Denn zum Fest der Liebe ist das Geld für solche Späße zumeist vorhanden. Und wer ein paar Euro mehr in die Hand nimmt und sich die Deluxe-Ausgabe von „Zirkus Zeitgeist: Ohne Strom und Stecker“ besorgt, erhält eine Bonus-CD namens „Fest der Liebe“ mit einem Bündel Weihnachtslieder oben drauf.

Oh, du herrlich besinnliche Weihnachtszeit, die Saltatio Mortis in ihrem eigenen Song „Willkommen in der Weihnachtszeit“ auf der einen Seite kritisch aufs Korn nehmen, um sich auf der anderen Seite mit diesem Werk den kommerziellen Mechanismen des Fests der Liebe konsequent anzuschließen. Die Indianer nennen dies „mit gespaltener Zunge sprechen“. Bei Saltatio Mortis heißt das, die ursprünglichen „Zirkus Zeitgeist“-Songs in akustischen Versionen erneut einzuspielen, was sie mit ihrer musikalischen Vergangenheit zweifellos gut beherrschen und kein allzu großer Aufwand gewesen sein kann. Fertig ist eine zwiespältige Produktion, die einzig und allein dem Kommerz dient. Oder will ernsthaft jemand wissen, wie denn nun die Akustikversionen der „Zirkus Zeitgeist“-Songs klingen? Eben. Komm, lass stecken!

Die ursprüngliche Besprechung: Die mittelalterlichen Totentänzer von Saltatio Mortis haben sich in den nunmehr 15 Jahren ihres Bestehens künstlerisch und kommerziell sukzessive weiterentwickelt. Von einer Band, die auf kleinen Mittelalter-Märkten auftritt, sind die acht Spielleute zu einem Top-3-Act in den deutschen Longplay-Charts geworden. Nachdem mit „Das Schwarze Einmaleins“ vor zwei Jahren erstmals der Sprung auf Platz eins gelang, sind Alea der Bescheidene, Lasterbalk der Lästerliche, Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, Bruder Frank, El Silbador, Luzi Das L, Jean „Der Tambour“ Méchant und Till Promill endgültig in Regionen angekommen, die bei jeder Major-Plattenfirma nervöse Begehrlichkeiten wecken.

Keine Frage: Mit „Zirkus Zeitgeist“ soll der Nummer-1-Coup wiederholt werden. Dazu haben Saltatio Mortis „dem Zeitgeist in den Rachen geschaut“ und eine inhaltliche Aufarbeitung ihrer Sicht auf die heutige Gesellschaft entworfen, die sie in typische SM-Songs verpackt haben. In diesen dominieren der Schmirgelpapiergesang von Alea dem Bescheidenen sowie rockige Gitarren im Einklang mit den markanten Dudelsack-Klängen, aus denen sich Heavy-Metal-Tracks wie „Des Bänkers neue Kleider“, punkige Mitgröl-Hymnen („Willkommen in der Weihnachtszeit“, „Trinklied“, „Maria“) und schwermütige Halbballaden entwickeln, die im Fall von „Abschiedsmelodie“ oder auch „Nachts weinen die Soldaten“ dezent nach den Toten Hosen klingen.

Saltatio Mortis sind bei ihren Songs um maximale Eingängigkeit bemüht, die sowohl im kleinen Club, als auch im Fußballstadion funktioniert. Die Stücke gehen grundsätzlich leicht ins Ohr und halten mit plakativen Themen wie Krieg, Nationalismus, Papst, Vergänglichkeit, Weihnachtskommerz, Auschwitz und der eigenen Band-Identität nicht mit klaren Botschaften hinterm Berg. Damit fängt der Rattenfänger die kleinen Nager und Saltatio Mortis sowohl das Mittelalter-Rock- als auch das Pop-Publikum.

Dies zeigt, dass die Band in den vergangenen Jahren eine Professionalität entwickelt hat, zu deren Gunsten einige Ecken und Kanten abgeschliffen wurden, sodass am Ende mit „Zirkus Zeitgeist“ ein massentaugliches Produkt zum Verkauf steht, mit dem sich eine breite Hörerschar vereinigen und Platz eins der Charts verteidigen lässt.

Anspieltipps:

  • Maria
  • Trinklied
  • Erinnerung
  • Nachts weinen die Soldaten
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