Coldplay - A Head Full Of Dreams - Cover
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Coldplay A Head Full Of Dreams


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist ja alles so schön bunt hier! Der Liebeskummer ist verflogen. Jetzt haben Chris Martin und Co. wieder gute Laune. Zumindest ein bisschen. Der Hörer dagegen nicht!

Mit ihrem bis dato letztem Studioalbum „Ghost Stories“ (05/2014) hatten sich Coldplay ungewöhnlich viel Kritik eingehandelt und viel Boden in der Gunst des neutralen Publikums eingebüßt. Es war das Trennungsalbum von Sänger und Mastermind Chris Martin (38), der seinen Gefühlen freien Lauf ließ und der langjährigen Beziehung mit Schauspielerin Gwyneth Paltrow hinterhertrauerte. Wirklich gerne wollte dies niemand hören, wodurch „Ghost Stories“ mit an die vier Millionen Einheiten nur noch knapp die Hälfte der Verkaufszahlen von „Mylo Xyloto“ (10/2011) einfahren konnte und damit in der Discographie der Band durchaus als Flop einzustufen ist. Vielleicht sind die niedrigen Abverkäufe aber einfach nur dem Umstand geschuldet, dass Coldplay mit dem Werk nicht auf Tour gegangen sind.

Fakt ist: Coldplay sind angreifbar geworden. Und vielleicht legen die Briten genau aus diesem Grund relativ schnell und unerwartet den „Ghost Stories“-Nachfolger vor. Eine reguläre Album-Veröffentlichung eines Major-Acts aus der Champions League kurz vor Jahresfrist ist jedenfalls ungewöhnlich, so als hätten Coldplay etwas gutzumachen und keine Zeit zu verlieren. Doch ist die Lust auf die Musik der Band nach dem ziemlich enttäuschenden Vorgänger beim Publikum bereits wieder zurückgekehrt? Das können eigentlich nur Coldplay selbst beantworten bzw. steuern. Nämlich mit den Songs ihres siebten Studioalbums „A Head Full Of Dreams“.

Dieses wurde von Rik Simpson (u.a Brian Eno, Avicii, Jay-Z, Kasabian, PJ Harvey) sowie dem norwegischen Duo Stargate (u.a. Beyoncé, Selena Gomez, Keri Hilson, Ne-Yo, Rihanna, Katy Perry) produziert und besitzt die Eigenart, dass darauf mit Beyoncé, Merry Clayton, Noel Gallagher und Tove Lo gleich vier Gäste vertreten sind, die sich der Hörer im Zusammenhang mit Coldplay nicht auf Anhieb vorstellen kann. Und für noch etwas steht „A Head Full Of Dreams“: Die Überwindung des Liebeskummers und die Rückkehr zur unbeschwerten Fröhlichkeit. Doch schon hier wird deutlich, dass der Sprung von einem Extrem zum anderen nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss ist.

Coldplay beginnen das Album nach einem kurzen, esoterisch angehauchten Intro betont locker mit dem handwerklich schmucklosen Titeltrack, der mit hymnischen Oh-ho-hos und einem Kinderchor im Mittelteil von Anfang an zu viel will, aber am Ende die PS nicht auf die Straße bringt. Das folgende, anspruchsvollere „Birds“ kann dagegen alte Stärken andeuten. Coldplay machen ihre Sache hier wesentlich besser, doch im weiteren Verlauf des Albums deutet sich immer mehr an, dass die Briten in einer Sackgasse angekommen sind. So wärmt das betont auf modern getrimmte „Hymn for the weekend“ im Duett mit Beyoncé Knowles den Überraschungs-Coup mit Rihanna („Princess of China“ von „Mylo Xyloto“-Album) lediglich neu auf und gibt damit unweigerlich den Trend für dieses Werk vor.

Coldplay deuten heuer tolle Melodien nur noch an („Fun“, „Amazing day“, „Up & up“) oder üben sich in Selbstzitaten („Army of one“, „Everglow“). Dabei sind sie die meiste Zeit vor allem eins: belanglos. Denn so emotionslos das Label die Platte bewirbt, so geben sich auch die Songs. Die einstige Genialität blitzt nur noch in wenigen Nuancen auf und das Gehörte verpufft ohne Wirkung. Keine Frage: Mit den Stücken dieses Albums hätte Coldplay den Durchbruch vor 15 Jahren nicht geschafft. Deshalb ist es auch nur legitim, sie an ihren eigenen Großtaten zu messen, an die sie schon länger nicht mehr heranreichen. So ist „Everglow“ eine nette, aber nicht überragende Pianoballade mit einem weinerlichen Chris Martin und „Adventure of a lifetime“ eine locker-flockige, aber doch unscheinbare Disco-Variante eines Barry-Manilow-Songs. Zwei Beispiele, die veranschaulichen, dass der Zenit überschritten scheint.

In wie immer gut informierten Kreisen wird gemunkelt, dass „A Head Full Of Dreams“ das letzte Coldplay-Album sein könnte. Und ganz ehrlich, für das, was die Musiker auf diesem Longplayer anbieten, wäre es nicht schade drum. Vielleicht muss sich Vordenker Chris Martin erst mal als Solokünstler ein wenig austoben, damit Coldplay vielleicht irgendwann zurückkommen und an alte Stärken anschließen können. Bis dahin können Jahre vergehen. Eine Pause, die Band und Publikum gleichermaßen guttun könnte.

Anspieltipps:

  • Birds
  • Up & up
  • Everglow
  • Kaleidoscope
  • Amazing day
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