Beat Happening - Look Around - Cover
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Beat Happening Look Around


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 77 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Auftakt zu den Wiederveröffentlichungen der einflussreichen Post-Punk-Band Beat Happening gibt es schon mal vorab einen Überblick über ihr Schaffen.

Die Initialzündung zur Gründung einer Band entstand bei Calvin Johnson nach einem Led Zeppelin-Konzert. Er verehrte zwar die britischen Heavy-Blues-Rocker, der Stadion-Rock-Zirkus drumherum war ihm aber zuwider. Der Mann aus Olympia im Bundesstaat Washington wollte Spontanität, Rebellion, Individualität und Hingabe spüren. Die Mitglieder seines Trios Beat Happening, die solche Visionen umsetzen sollten, konnten zwar anfangs weder spielen noch singen, hatten aber ein Gespür dafür, was einen guten Song im Kern ausmachen sollte. Die dilettantisch-schrägen Anfänge können auf dem Karriereüberblick „Look Around“ bei „Our Secret“ (1985) nachvollzogen werden.

Die alternativen Rocker befreiten den Pop von jeglicher Süße und brachten dem Rock`n`Roll die Ursprünglichkeit zurück. Dabei konnten sie allerdings nicht verleugnen, dass The Velvet Underground einen großen Einfluss bei ihrer musikalischen Sozialisation gespielt haben. Der von ihnen praktizierte Minimalismus mit der Besetzung Gitarre, Schlagzeug und Gesang fördert nämlich einen ähnlich stumpfen, trockenen, scheppernden und ungeschönten Gegenentwurf zur etablierten Pop-Kultur zutage.

Von 1985 bis 1992 veröffentlichte die Alternative-Rock-Band fünf Studio-Alben und noch einige EPs und Singles, von denen jetzt 23 Tracks chronologisch für die neue Zusammenstellung aufbereitet wurden. Neben der Einbeziehung von The Velvet Underground-Referenzen bewegen sich die Musiker noch auf den Spuren weiterer Rock`n`Roll-Traditionen. „Bad Seeds“ von 1985, das Album „Black Candy“ aus 1989 sowie „Nancy Sin“, „Hot Chocolate Boy“ (1991) und „Pinebox Derby“ sind merklich mit dem Psychobilly der Cramps infiziert. Außerdem bildete der Garagenrock der 60er-Jahre die Vorlage für einige Songs („Look Around“, 1985, „Bewitched“, 1988).

Beat Happening haben sich während ihres Bestehens eine gewisse Kantigkeit bewahrt. Sie blieben unangepasst und echt. Die bisher letzte Single „Angel Gone“ von 2000 ist zwar relativ eingängig und tempomäßig im Balladensektor angesiedelt, versprüht aber trotzdem noch den gewohnt spröden Charme. Dieser Sound lässt sich mit ähnlich gelagerten Kompositionen von Jonathan Richman vergleichen. Weil sich die Combo nie in Richtung Ausverkauf ihrer Ideale verbogen hat, bekam sie auch den Respekt von Kurt Cobain, der ein bekennender Fan war.

Der minimale Post-Punk verkörpert einen Do-It-Yourself-Gedanken bei der Produktion von Musik. Die Gruppe bietet zusätzlich Spezialitäten, die besondere Talente zum Vorschein bringen. Der grummelige, wacklige Bariton von Calvin Johnson steht innerhalb des Band-Gefüges im Gegensatz zum unschuldigen Gesang von Heather Lewis, der einen nüchternen Folk-Einschlag vermittelt. Beim über 9-minütigen „Godsend“ singt die Gitarristin und Schlagzeugerin mit jugendlich-frischer und lieblicher Stimme gegen die kalten, gleichgeschalteten, unbarmherzigen, stoischen Rhythmen an und lässt dadurch menschliche Wärme in einer unwirtlichen Atmosphäre entstehen.

Beat Happening waren Trendsetter. Wenn man so will, haben die Musiker einen auf die nötigsten Bestandteile reduzierten, Bass-freien Retro-Rock-Sound salonfähig gemacht, der später in abgewandelter Form durch die White Stripes und Black Keys populär wurde.

Anspieltipps:

  • Bad Seeds
  • Bewitched
  • Indian Summer
  • Nancy Sin
  • Red Head Walking
  • Angel Gone

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