Cass McCombs - A Folk Set Apart - Cover
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Cass McCombs A Folk Set Apart


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 75 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Cass McCombs ist ein Singer/Songwriter, der sowohl liebliche Melodien wie auch krachigen Rock & Roll zu schätzen weiß.

Wenn ein Musiker seine Wurzeln in der Pop- und Rock-Musik der 1960er-Jahre sieht, aber kein Interesse an einem Revival oder an einer nostalgischen Aufarbeitung hat, dann geht er in den Untergrund und entwickelt alternative Darstellungsformen. Darin soll die Liebe zur unsterblichen Melodie genauso abgebildet werden wie die derbe, anarchische Lust zur Auflösung von Traditionen. Genau diese Vorgehensweise nutzt Cass McCombs, um sich auszudrücken. Mit „A Folk Set Apart“ präsentiert der gebürtige Kalifornier schwer erhältliches und bisher unveröffentlichtes Material aus seinem Repertoire von 2003 bis 2014. Mit seinen teilweise unkonventionellen Ideen hat der Singer/Songwriter den Pop-Musik-Nerd schon von vornherein auf seiner Seite, weil dieser lustvoll Parallelen zu anderen Künstlern analysieren kann. Denn McCombs wildert spielerisch im Pop-Universum und fördert dabei Perlen zu Tage („Evangeline“) oder verirrt sich in abwegigem, undurchsichtigem Terrain („Texas“).

Cass tritt abwechselnd als aufmüpfiger Punk oder als Bewahrer jugendlicher Unbeschwertheit auf. „I Cannot Lie“ wandelt als stumpfer, schnell getakteter Rock & Roll mit gleichbleibenden Riffs im Lo-Fi-Look auf den Spuren von Velvet Underground. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Garagen-Rock „A.Y.D“, der mit billiger Orgel und einfachen E-Gitarren-Spuren ausgestattet wurde. Noise-Punk mit Gesang aus der Gruft und dumpfem Getrommel vermittelt „Oatmeal“. „Twins“ führt dann vom Dunkeln ins Licht und bringt Farbe in die Klangwelt. Hier wurde ein schimmernder, leicht barocker Pop mit sehnsüchtigem Gesang geschaffen, der an John Lennons Komponierkunst erinnert. Und teilweise wird es noch beschwingter. Der Power-Pop „Poets Day“ erinnert an die frühen dB`s, während „Evangeline“ mit Bubble-Gum-Pop-Referenzen aufwartet, die schon The Monkees („I´m A Believer“) für ihre Hit-Singles benutzt haben.

Neben den Eckpfeilern Rebellion und Spaß sorgt Cass McCombs auch für interessante Zwischentöne. „Bradley Manning“ ist ein fließend, gemächlicher Folk-Rock mit Gitarrenlinien wie von Television oder Neil Young & Crazy Horse. Verschrobener, mysteriöser Pop-Rock im Sinne der späten Big Star wird bei „Empty Promises“ zitiert. Unorthodoxen, schrammeligen, düsteren, hoffnungslosen Balladen-Pop transportiert „If You Loved Me Before“ und „Three Men Sitting On A Hollow Log“ bringt holprigen Country-Rockabilly im Mid-Tempo unters Volk. Der spartanische, sensibel-introvertierte Folk mit schleppendem Tempo namens „Old As Angry“ suggeriert Lagerfeuer-Romantik und „Night Of The World“ ist ein leicht groovender, schwül-zurückhaltender, Trance-bluesiger Track. Außerdem wurde der verquere, gemächliche Tex-Mex „Traffic Of Souls“ als schlabbriger Garagen-Rock getarnt.

Cass McCombs hat bisher mit sieben Studioalben sein öffentliches Lernen dokumentiert. Er erlaubt sich sogar, hitverdächtige Songs wie „Evangeline“ als Beitrag einer Split-Single mit den Meat Puppets zu verbraten. Das zeigt sein Vertrauen in die eigene Kreativität, verbunden mit der Hoffnung, dass auf Dauer sowieso noch weitere auffallende Kompositionen folgen werden.

Anspieltipps:

  • Twins
  • Poets Day
  • Bradley Manning
  • Evangeline
  • Empty Promises
  • Night Of The World

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