Miley Cyrus - Miley Cyrus & Her Dead Petz - Cover
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Miley Cyrus Miley Cyrus & Her Dead Petz


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 92 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Miley Cyrus zusammen mit den Flaming Lips stellt sich als hochexplosive Mischung raus.

Einem Großteil der Bevölkerung ist womöglich bewusst, dass es auf dieser Welt eine Frau namens Miley Cyrus gibt („bekannt aus Funk, Fernsehen und der Klatschpresse“). Dass diese allerdings auch Musik macht und sich als Schauspielerin betätigt, ist mit Sicherheit nicht allen klar. Vielleicht möchten diese Menschen das auch gar nicht wissen, ist das aktuelle, medial vermittelte Bild von Cyrus doch nicht gerade das vorbildlichste und eher im Schmuddel- und Softporno-Bereich beheimatet.

Drei Studioalben unter eigenem Namen gehen diesem schon voraus - das erste mit zarten 16 Jahren veröffentlicht. Vorher wurde die Welt mit mehr als einem halben Dutzend „Hannah Montana“-Produktionen beglückt. „Miley Cyrus & Her Dead Petz“ erschien nun ohne große Ankündigung und wurde nur auf Soundcloud zur freien Verfügung bereitgestellt. Durch ihr eigenes Label veröffentlicht, erfolgte auch kein großes Werben. Einfach abgemischt und ins Netz gestellt. Für alle und jeden.

Cyrus auf ihre Figur der Glam-Göre zu reduzieren und von dort aus auf ihre Musik zu schließen, wäre zu voreilig. Denn das Hören dieses Albums kann eine Entwicklung nach sich ziehen, die wie folgt aussehen könnte: Die anfängliche Abschreckung überwunden, wird der geneigte Hörer sich nach weiteren Durchläufen zu den Aussagen: „dafür, dass es Miley Cyrus ist, ist das ja gar nicht Mal so schlecht“ und folglich: „das ist leider gut“ hinreißen lassen. Es besteht keine Garantie für diese Entwicklung. Gleich der Einstieg mit „Dooo it!“ samt dazugehörigem Video ist unheimlich grotesk. Es wird Hörer geben, die haben so etwas in seiner Explizitheit bisher nicht gesehen und gehört. Synthies, Klavier und Akustikgitarre sind die vorherrschenden Instrumente. Die Beats sind nie sperrig, immer eingängig und wechseln zwischen treibend („1 Sun“, „Bang Me Box“) und zurückhaltend („The Floyd Song“, „Something About Space Dude“).

Der Rahmen (Musik, Videos, Promo und Auftritten), in dem sich Miley hier austoben kann, lässt etwas einzigartig Surreales entstehen. Denn co-produziert wurde das Album von den Flaming Lips, deren Hang zur musikalischer Übertreibung und Überhöhung der Realität sich Miley zu jedem Zeitpunkt fügt. Auch wenn das Doppel Miley Cyrus und The Flaming Lipszunächst merkwürdig erscheint, bleibt es das auch, stellt sich aber als hochexplosiv heraus. Miley fügt sich dem Konzept vollkommen und nimmt an der Idee der Indie-Rocker ohne Hemmungen teil. Das drückt sich nicht nur in der Musik aus, sondern vor allem auch in gemeinsamen Live-Auftritten und Musikvideos. Zuletzt im Video zur Single „BB Talk“, in dem sie in Windeln an einer überdimensionalen Flasche nuckelt.

Keinen Einfluss hatten die Flaming Lips mit Sicherheit auf die Songtexte. Allein die Titel der Lieder wecken wildeste Assoziationen und bringen womöglich genau diese als ihre Fantasien, zum Ausdruck. „Milky Milky Milk“ heißt beispielsweise nicht umsonst so. Das ist manchmal zu viel des Guten und auf Dauer langweilend und gewollt provokativ. Sowieso ist längst nicht alles gut, was hier glänzt, quietscht und klebt, auch wenn insgesamt mehr Highlights als Lowlights vorzufinden sind. Das Album hätte mit einer aussortierten Playlist deutlich mehr Eindruck machen können. Von der Zusammenarbeit mit Ariel Pink, der sich musikalisch nicht weit weg von den Flaming Lips bewegt, hätte in diesem Kontext mehr herausspringen können. Auch „Cyrus Skies“ oder „Tangerine“ dudeln ohne wirklich markante Stellen vor sich hin und sind mit jeweils mehr als fünf Minuten eindeutig zu lang. Nicht alle Ideen zünden, was bei dreiundzwanzig Liedern auch unglaublich gewesen wäre.

Ihre Gesangsqualitäten kann Miley dann in den letzten Liedern unter Beweis stellen, wenn die Beats mal ausbleiben und sie nur vom Klavier begleitet wird. „Pablow The Blowfish“ und „Twinkle Song“: Beiden Liedern könnte gut und gerne Kitsch attestiert werden, dennoch ist ihnen ein gewisser Charme nicht abzusprechen. Vielleicht ist tragikomisch eine treffende Beschreibung. Miley, von den Flaming Lips produziert, singt am Klavier über einen Traum, in dem David Bowie ihr das Skateboardfahren beibringt. So etwas ist im Jahr 2015 möglich. Bleibt nur die Frage: Möchte man jemandem, der mit David Bowie, Joy Division oder New Order groß geworden ist, in diesem Jahr wirklich guten Gewissens nahe legen, anstatt zur neuen New Order-Platte „Music Complete“ zu greifen, lieber Miley Cyrus anzuhören? „Hey Sohnemann, schon die neue Miley Cyrus gehört?“ - Nee, möchte man besser nicht.

Anspieltipps:

  • Dooo It!
  • Bang Me Box
  • Slab Of Butter (Scorpion)
  • Lighter
  • 1 Sun
  • Pablow The Blowfish

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