Daughter - Not To Disappear - Cover
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Daughter Not To Disappear


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch auf ihrem zweiten Album hält die Melancholie Daughter gefangen.

„Not To Disappear“ - das könnte die goldene Formel der gegenwärtigen Medienwelt sein. Soziale Netzwerke sind mit diesen drei Wörtern passend beschrieben. In Vergessenheit zu geraten, gleicht einem Horrorszenario. Aber nie zuvor war es so leicht, von sich hören zu lassen. Daughter machen das einer Musikband standesgemäß und veröffentlichen ein Album: ihr zweites. Darauf: Lieder, die mit den Besten des Debüts locker mithalten.

Tonra singt von existenzialistischen Themen, mit denen sich jeder zwangsläufig auseinanderzusetzen hat. Die gewählten Worte sind sehr direkt und nicht metaphernreicher als notwendig. Offen und ehrlich erzählt, gleichen die Lieder beinahe kurzen Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind. Die Single „Doing the right thing“, welche von den Folgen der Demenzkrankheit handelt, macht das vor, pendelt dabei aber paradoxerweise zwischen peinlicher Betroffenheit und Faszination. Erst mit dem dazugehörenden Video verschwindet allmählich die Peinlichkeit und lässt einen emotionsgeladen zurück; weil es doch eben oft so ist, wie Tonra singt.

Das Albumcover strahlt eine unnahbare Kälte aus. Was dargestellt ist, kann nicht genau gesagt werden. Aber sobald man die Aussage des Albums verinnerlicht hat, welche mit jedem Lied deutlicher wird, ergibt alles Sinn: All die Einsamkeit und Traurigkeit, ist durch etwas Unbestimmtes bedingt. Etwas, das man gerne überwinden würde, aber nicht kann, weil man es nicht benennen kann. Im Opener „New Ways“ wird dieses Unbestimmte schlicht als ‚something’ beschrieben. Aber Sängerin Tonra ist sich sicher; man muss damit leben und das Beste daraus machen: „Take the worst situation / make a worth situation“, heißt es daher in „Numb“.

Man hätte denken können, das erste Lied, „New Ways“, leitet, dem Namen nach, neue Wege ein. Das trifft aber nur bedingt zu. Das, was die herausragenden Lieder des Debüts zu herausragenden Liedern gemacht hat, wird hier nur in Nuancen verfeinert. Nämlich das, was Daughter am besten sein lässt: Das Entfliehen von Schlagzeug und Gitarren vor der melancholisch erdrückenden Stimmung. Das Wechselspiel zwischen folkiger Melancholie und schaurigen Klangwelten, funktioniert ein wenig konsequenter als auf dem Debüt und findet in „How“, „Mother“ und „Fossa“ sein Höhepunkte. Schönes Album.

Anspieltipps

  • New Ways
  • Doing The Right Thing
  • How
  • Fossa

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