All Them Witches - Dying Surfer Meets His Maker - Cover
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All Them Witches Dying Surfer Meets His Maker


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
3.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das lustige Sound-Kaleideiskop aus Nashville – experimentell und hypnotisch, aber nicht immer aus einem Guss.

Was tun, wenn die Genrebezeichnung unnötiger Ballast wird? Einfach alles anders machen! Was sich so einfach anhört, ist streng genommen eine wahre Kunst, denn nicht alles, was aus der Reihe tanzt, ist automatisch auch gut. Dann wird es stets schwierig, wenn man als Schreiberling, Musikliebhaber und Fan von Sounds, die sich nur schwer einordnen lassen, überhaupt eine Bewertung abzugeben. Subjektiv soll's sein. Aber auch fair. Wie fangen wir an? Arbeitet sich All Them Witches, um mal zum Thema zu kommen, von der 10 zur 1 oder von der 1 zur 10? Oder sind Bewertungen eh zweitrangig? Wie kann man einer Band gerecht werden, die es so anders machen will und was macht sie schlechter oder besser als ähnliche Bands? Letzten Endes sind das unnötige Grundsatzdiskussionen und im Falle von All Them Witches gibt es zwar viele Gruppen, die einen ähnlichen Ansatz haben, aber von denen sich keine mit der anderen vergleichen lässt. Versuchen wir mal das Album für sich sprechen zu lassen.

„Call Me Star“ eröffnet das Album zurückhaltend, akustisch, beinahe lieblich. Doch der Schein trügt. All Them Witches zeigen schnell, womit es der Hörer wirklich zu tun hat. „El Centro“ ist der wütende Sturm, der den Sound der Jungs definiert. Oder zumindest andeutet, denn definieren ist bei den Musikern aus Nashville wie so oft eine schwierige Angelegenheit. Ein fuzziger Alternative Rock wird mit allerlei Elementen aus Doom- und sogar Post-Metal angereichert, psychedelische Einsprengsel hier, Blues, Überbleibsel aus Jamsessions dort, Stoner, Sludge, Brainfuck über alles! Sleep, Isis, Om, SubRosa, Tool, YOB. Der All Them Witches-Sound ist ein Brainstorming, aber anders wohl schwer einzuordnen. Gerade das „El Centro“ ist zusammen mit „This It Where It Falls Apart“, „Talisman“ und „Blood And Sand/Milk And Endless Waters“ das Herzstück von „Dying Surfer Meets His Maker“. Die kürzeren Tracks fungieren als Interludien mittels derer sich All Them Witches von Eskalation zu Eskalation hangeln. Der zähflüssigen Melange aus Blues und Post Rock in „This It Where It Falls Apart“ steht „Talisman“ als Kontrast gegenüber, welches zaghaft beginnt und sich zum gewaltigen Noise-Angriff mausert. Sowas ist auf „Dying Surfer Meets His Maker“ möglich. Das Finale „Blood And Sand/Milk And Endless Waters“ spielt schließlich mit den Kontrasten, ist mal laut, mal leise, mal hart, mal soft - auch das ist möglich. Und es funktioniert.

Schade, dass gerade dadurch die übrigen Songs wie Füllmaterial wirken. „Dirt Preachers“, „Open Passageways“ und selbst das instrumental gehaltene „Instrumental 2 (Welcome To The Caveman Future)“ sind zwar gelungen, erfüllen aber kaum den Zweck der längeren Songs. Vieles wirkt, als ob die Band ihre Jamsessions entweder entschlacken oder aufplustern wollte. Beides ist möglich und absolut legitim, aber gerade wenn All Them Witches einen Gang zurückdrehen, merkt der Hörer, dass die Band wohl etwas ganz anderes vorgehabt hatte und sich zu Kompromissen hat hinreißen lassen. Möglich wäre es. Dann klingt „Dying Surfer Meets His Maker“ nicht mehr wie aus einem Guss, ist unnötig zerhackstückelt und gestreckt. Dass ihr Sound allerdings frisch und interessant bleibt, ist nicht zu verleugnen. Gerade das lässt die US-Amerikaner trotz aller Wermutstropfen zum lohnenden Anspieltipp werden. Auch wenn ähnliche Bands vielleicht ein wenig mehr bieten, macht „Dying Surfer Meets His Maker“ letzten Endes einiges richtig - wobei jeder sein Richtig oder Falsch selbst finden muss, wenn es um diese eine Band geht.

Anspieltipps:

  • El Centro
  • This Is Where It Falls Apart
  • Talisman
  • Blood And Sand/Milk And Endless Waters

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