Them (U.K.) - The Complete Them 1964-1967 - Cover
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Them (U.K.) The Complete Them 1964-1967


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 201 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Endlich gibt es die frühen Aufnahmen von Them mit Van Morrison wieder auf Tonträger zu erwerben.

Lange Zeit gab es die Aufnahmen von Them um Van Morrison nicht zu kaufen. „The Story Of Them“, die letzte Aufarbeitung der Bandgeschichte, stammt von 1997 und ist auch schon längst gestrichen. Die Musik der Rhythm & Blueser konnte man deshalb nur noch mit Glück und unter dem Einsatz von viel Geld über Second-Hand-Kanäle beziehen. Damit ist jetzt Schluss. „The Complete Them 1964-1967“ ist quasi eine Neuveröffentlichung von „The Story Of Them“, die klanglich nochmal überarbeitet wurde und noch mehr Inhalt bietet.

Neben den vollständigen Alben „Them“ (auch unter „The Angry Young Them (1965)“ veröffentlicht) sowie „Them Again (1966)“, bekommt der Käufer auf dem dritten Tonträger noch bisher unveröffentlichte Versionen einiger Tracks, Demo-Aufnahmen, Singles, Live- Sessions und alternative Aufnahmen geboten. Jetzt ist das Kapitel der Gruppe, das die Mitgliedschaft von Van Morrison beleuchtet, umfassend auf drei Silberlingen zu einem fairen Preis verfügbar.

Them formierten sich 1964 in Belfast. Der Bandname war von einem Science-Fiction- und Horror-Film aus 1954 abgeleitet, der den deutschen Titel „Formicula“ bekam. Das Quintett bestand anfangs aus Van Morrison (Lead-Gesang, Saxophon, Harmonika), Alan Henderson (Bass), Ronnie Millings (Schlagzeug), Billy Harrison (Gitarre, Gesang) und Eric Wrixon (Keyboards). Bei den Studioaufnahmen gab es allerdings ständig wechselnde Besetzungen, da die Produzenten oft zusätzlich Studiomusiker engagierten. Unter anderem auch Gitarrist Jimmy Page, der 1968 Led Zeppelin gründete. Die Gruppe aus Belfast etablierte sich schon früh durch ein Engagement als Hausband für die Tanz-Nächte im Seemannsheim „Maritime Hotel“. Schnell sprach sich diese Veranstaltung als heißeste Live-Show in Belfast herum.

Der kraftvolle R&B, raue Blues und verführerische Soul erlangte durch Morrisons dreckigen, schnoddrigen Gesang besondere Attraktivität. Heute sind Songs wie das eigene „Gloria“ oder die Fremd-Titel „Here Comes The Night“ von Bert Berns, dem späteren Manager von Van, der Garagen-Rock-Klassiker „I Can Only Give You Everything“ und die phantastische Version von Bob Dylans „It`s All Over Now Baby Blue“ längst Evergreens. Diese Titel brauchen sich nicht hinter der damaligen Konkurrenz der Rolling Stones, Kinks, Pretty Things, Animals, Spencer Davis Group oder The Who verstecken.

Aushängeschild, Identifikationsfigur und akustischer Fixpunkt der Iren war zweifellos der unbequeme, knurrige Sänger Van Morrison mit der durchdringenden, alles in Grund und Boden singenden Stimme. In den Interpretationen der Band aus Belfast spiegeln sich die Musiktraditionen des Blues, Rhythm & Blues, Soul, Country, Jazz und Folk gleichermaßen wider. Zwischen schroff und lieblich arbeitet sich der eigensinnige Morrison an vielen emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten ab und hinterlässt den Eindruck, dass Songs, die durch seine Kehle geflossen sind, dadurch einen ultimativen Charakter bekommen haben.

Der starrköpfige Musiker wuchs als George Ivan Morrison in Belfast in einer Mittelstandsfamilie auf. Seine Mutter war Jazz-Sängerin und in jungen Jahren Step-Tänzerin. Sein Vater, ein Schiffselektriker, verfügte über eine umfangreiche Plattensammlung. Darüber lernte der Sohn die Magie von Ray Charles, Solomon Burke, Howlin` Wolf, Mahalia Jackson, Charlie Parker, Hank Williams und Woody Guthrie kennen und erhielt vielfältige Inspirationen für seine eigene Laufbahn.

Mit Them entwickelte Van The Man seinen persönlichen Gesangsstil und lebte seine Flegeljahre intensiv aus. Die hier versammelten frühen Aufnahmen zeigen bei den Eigenkompositionen ein Gespür für griffige Melodien und packende Rhythmen. Aber auch den Fremdtiteln verpasste der Belfast-Cowboy einen individuellen Stempel. Aus dem manischen „I Put A Spell On You“ von Screamin` Jay Hawkins fabriziert die Truppe einen sinnlichen Late-Night-Jazz und Simon And Garfunkels Folk-Song „Richard Cory“ werten sie zu einem knackigen R&B-Stampfer auf.

Die Musiker versuchten, ihr unbändiges Bühnentemperament - das dazu führen konnte, dass sie ihren Favoriten „Gloria“ auf 20 Minuten ausdehnten - auch im Studio zu konservieren. Das gelang hauptsächlich bei den überschäumenden, rebellischen Nummern wie Morrisons „Bring 'Em On In“, „One Two Brown Eyes“ und „Mystic Eyes“ oder bei Rosco Gordons „Just A Little Bit“ ganz hervorragend. Die Songs wurden von Van wütend und leidenschaftlich rausgebellt. Aber es gab auch die obligatorischen Engtanz-Nummern („How Long Baby“, „One More Time“, „It Won't Hurt Half As Much“, „Don`t Look Back“), die die bewegende, sinnlich-gefühlvolle Seite des Ausnahme-Musikers offenbaren. Songs wie das lyrische „Friday`s Child“ oder „Hey Girl“ geben schon früh einen Ausblick auf den Genre-übergreifenden Stil, der den heute 70-jährigen Musiker als Solo-Künstler auszeichnet.

Them waren damals ein Teil der British Invasion, die der USA gegen Mitte der Sechzigerjahre ihre Musiktraditionen in Form von Blues, Rhythm & Blues, Soul und Jazz als frische Aufarbeitung zurückgab. Unter anderem traten sie in den Staaten mit Captain Beefheart und The Doors auf. Der leidenschaftliche Frontmann peitschte seine Mitstreiter ständig an und rieb sich wegen seines ausgeprägten Egos ständig mit ihnen, was letztlich 1966 während einer USA-Tournee zur Trennung führte.

Heraus kamen bei diesen energischen Auseinandersetzungen etliche engagierte Momentaufnahmen, die auch heute noch Bestand haben. Der Ire, der streitbar und auch unnahbar sein konnte, behauptete damals sogar, dass die Rolling Stones und Eric Burdons Animals alles von ihm gelernt und abgeschaut hätten, was diese Einspielungen teilweise eindrucksvoll belegen. Auch deshalb ist die klanglich nochmal überarbeitete vorbildliche Zusammenstellung sowohl für Van Morrison- wie auch für Sixties-Sound-Fans ein Gewinn.

Anspieltipps:

  • Baby Please Don't Go
  • Gloria
  • Here Comes The Night
  • I Can Only Give You Everything
  • It's All Over Now Baby Blue
  • Richard Cory
  • Bring 'Em On In
  • Mystic Eyes
  • Friday`s Child

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