Heinz Rudolf Kunze - Deutschland - Cover
Große Ansicht

Heinz Rudolf Kunze Deutschland


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 57 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Deutschland“ ist weder ein Konzeptalbum noch ein rockiges Werk mit wütenden Protestsongs, sondern ein willkürlicher Gemischtwarenladen aus beliebigen Songs.

Heinz Rudolf Kunze (59) gehört zu der Sorte Liedermacher, die im politischen Sinne immer etwas zu sagen haben und mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten. Dass der gemeine Radiohörer davon nichts mitbekommt und Kunze maximal auf seinen Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ herunterbricht, gehört leider auch zur Realität. Dessen ungeachtet wird es spannend, wenn Heinz Rudolf Kunze in der aktuellen politischen Lage ein Album mit dem Titel „Deutschland“ ankündigt.

Schon auf dem letztjährigen „Tiefenschärfe“-Werk, das unter dem Banner von Kunzes Band-Projekt Räuberzivil erschienen ist, nahm der Songschreiber kein Blatt vor den Mund und manövrierte sich mit seinen scharfzüngigen Texten hier und da auf ein arg glattes Terrain, auf dem Kunze aufpassen musste, nicht falsch verstanden zu werden. Dabei ist Kunzes politische Position mehr als eindeutig. Doch wie dem auch sei. Mit seiner klar geäußerten Meinung sorgt der 59-Jährige für den schönen Nebeneffekt, dass sich der Hörer eingehender mit der Musik und den Texten beschäftigt und darüber redet und diskutiert. Genau das ist es, was der Musik heutzutage so oft fehlt.

Mit dem hochtrabenden Titel „Deutschland“ weckt Heinz Rudolf Kunze natürlich eine Erwartungshaltung, die fast nicht zu erfüllen ist, weil sich der Hörer von Heinz Rudolf Kunze Antworten und Erklärungen zur Lage der Nation wünscht, die dieser aber nicht abliefert. Denn „Deutschland“ ist weder ein Konzeptalbum noch ein rockiges Werk mit wütenden Protestsongs. Kunze agiert musikalisch zwar relativ breit gefächert, geht dabei aber über weite Strecken ziemlich gemächlich zur Sache. Lediglich mit Radio-Pop-Stücken wie „Mund-zu-Mund-Beatmung“ und „Das Paradies ist hier“ sowie einem lustigen Piano-Rocker wie „Immer noch besser als zu arbeiten“ wird es aus Sicht des gesetzten Hörers mal etwas flotter.

Damit befindet sich Heinz Rudolf Kunze locker im breiten Mittelfeld seines Schaffens, aber nicht in Regionen, die mit Dringlichkeit und Inhalten zum Pflichtprogramm seines üppigen Schaffens zählen. Denn dazu ist der Longplayer zu wenig zielgerichtet und musikalisch zu beliebig. So bleibt neben wenigen Perlen wie „In der alten Piccardie“, das wie aus der Kreativstube von Roy Orbison, George Harrison und Jeff Lynne zu stammen scheint, zumeist nur zahnlose Popmusik mit einem bisschen Westcoast-, Blues- und Americana-Feeling übrig.

Das ausgerechnet der Titelsong in ein komisches Funk-Korsett gepresst wird, ist nur ein Beispiel für den willkürlichen Gemischtwarenladen namens „Deutschland“, der nicht über ein paar guten Ansätze hinauskommt und doch so viel mehr sein möchte, wie zum Beispiel die Premium Buch Edition vermittelt, die mit einem reichbebilderten Booklet, sämtlichen Songtexten und einer Bonus-CD daherkommt. Am Ende hätte es all das nicht gebraucht, weil „Deutschland“ dadurch größer wirkt, als es eigentlich ist.

Anspieltipps:

  • Setz dich her
  • Ein fauler Trick
  • Das Paradies ist hier
  • In der alten Piccardie
  • Mund-zu-Mund-Beatmung
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
6/10

Rave Un2 The Joy Fantastic / Rave In2 The Joy Fantastic (Ultimate Rave)
  • 2019    
6.5/10

When We Land
  • 2019    
7/10

40 Tours Around The Sun
  • 2019    
Diskutiere über „Heinz Rudolf Kunze“
comments powered by Disqus