Mystery Jets - Curve Of The Earth - Cover
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Mystery Jets Curve Of The Earth


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Huch. Da macht eine britische Band tatsächlich diesen verloren geglaubten Brit-Rock.

Coldplay-Fans machen bitte einen ganz großen Bogen um die Mystery Jets. Es ist nicht sicher, ob einige Nostalgiker in Tränen ausbrechen, wenn die Londoner Gruppe mit „Bombay Blue“ im Jahr 2016 den Brit-Rock aufleben lässt, der damals mit Songs wie Coldplays „Yellow“ so viele Menschen verzaubert hat. Ganz viele Leser werden schon beim Eröffnungswort mit den Augen gerollt haben, doch ganz so leicht machen es Mystery Jets ihren Hörern auch nicht. Denn hinter dem vor gut zwanzig Jahren dominierenden Sound kommen noch eine Menge Ideen hervor, die aus „Curve Of The Earth“ zumindest einen Geheimtipp machen.

Man nehme die Verletzlichkeit von Death Cab For Cutie, bausche den Sound im Stile von Of Monsters And Men auf und gebe sich der der Zugänglichkeit des Brit-Rock (und -Pop) hin und fertig ist der größenwahnsinnige Ansatz der Mystery Jets. Was zu gut klingt, um tatsächlich wahr sein zu können, kann sich auch nicht lange als Fakt bewähren. Die Erwartungen werden durch den sphärischen Stadion-Indie-Rocksong „Telomere“ und die gehobene Radioballade „Bombay Blue“ klug geschürt und zeigen gleich eine gewisse Bandbreite. Dann offenbaren sich aber auch schon die Stolpersteine des Albums.

Zum einen deutet sich auch schon beim gelungenen „Bombay Blue“ an, dass die Band gute, aber nicht überragende Melodien auf Lager hat, und zum anderen zerreißt sich das Album bei nur neun Titeln förmlich zwischen klar auf das Radio zugeschnittenen Lieder (z.B. „Bubblegum“ und „1985“) und gewollt überdimensional anklingenden Hymnen wie „Midnight's Mirror“. Irgendwann mischt sich auch noch eine psychedelische Ader ins Album, die Stücke wie „Blood Red Balloon“ unnötig aufbläht und schon haben Hörer den Salat, aus dem es für jeden einige Zutaten herauszupicken gilt.

Die Brit-Rock-Abteilung wird sich nur noch einmal über „Taken By The Tide“ freuen können. Allerdings ist dieser Track auch ein gefühltes Versprechen für die Zukunft, da die Band sich in diesem Fall sehr eigenständig anhört und nicht wie in „Saturnine“ und „Blood Red Balloon“ den psychedelischen Beatles huldigt oder sich für das Hoch der 90er-Jahre in den Hintergrund begeben. Das heißt nicht, dass in Zukunft auf solche Kniefälle verzichtet werden sollte. „Bombay Blue“ ist ein solches Lied, das eine Band braucht, um das eigene Lied auf die Landkarte zu bekommen und „Telomere“ ist als moderner Ausflug auch nicht zu verachten. Außerdem sollte ein Dark-Synthie-Pop-Stück wie „Midnight's Mirror“ auf jedem Rock-Album der Welt zu finden sein. Eine konsequente und überraschende Nummer, die mal eben alles über Bord wirft, um Handwerk und Kunst zu vereinen.

„Curve Of The Earth“ ist ein typisches Ansatzalbum und erinnert zumindest den Verfasser dieser Zeilen tatsächlich an Coldplays Anfänge. Es werden einige Dinge ausprobiert, die so wahrscheinlich nicht wieder angegangen werden, wogegen vielleicht nur angedeutete Ideen in Zukunft in den Vordergrund rücken. Das macht das Album nicht besser, lässt die Band allerdings gleich viel interessanter erscheinen. Hoffentlich zu recht.

Anspieltipps:

  • Bombay Blue
  • Taken By The Tide
  • Midnight's Mirror

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