Bottle Rockets - South Broadway Athletic Club - Cover
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Bottle Rockets South Broadway Athletic Club


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Bottle Rockets nehmen eine leichte Kurskorrektur vor, bleiben sich aber grundsätzlich auch bei ihrem zwölften Studioalbum treu.

The Bottle Rockets wurden 1992 in Festus im US-Bundesstaat Missouri gegründet und gehörten neben Bands wie Uncle Tupelo zur Speerspitze der damals schon aufgeblühten Americana-Bewegung. Beeinflusst von Neil Young & Crazy Horse, Lynyrd Skynyrd und Bad Company feilten sie an einem energischen, druckvollen Southern Rock mit krachendem Rock & Roll und ländlichen Country-Folk-Beigaben. Der messerscharf kalkulierte Sound entbehrt dabei nicht einer angenehm melodischen Komponente.

Nun hat sich seit „Lean Forward“, der letzten Produktion der Gruppe aus 2009, einiges getan. Für das neue Studio-Album sind alle Songs erstmalig in St. Louis, der derzeitigen Heimatstadt der Musiker, entstanden. Entgegen der Gewohnheit, die Kompositionen in einem Rutsch hintereinander weg einzuspielen, wurden aktuell mehrere Studiozeiten gebucht. Dadurch konnten die Ideen reifen und gegebenenfalls korrigiert werden. Brian Henneman, der den Sound der 12-saitigen Rickenbacker-Gitarre als Klangerweiterung einbrachte, war deshalb nach Vollendung der Aufnahmen auch restlos zufrieden mit dem Ergebnis.

Die Neuerungen haben dazu beigetragen, dass das Stimmungsbild weniger aggressiv ausgefallen und nur in einem Fall dröhnend rockig ist („Building Chryslers“). Vielmehr treten Assoziationen an den wohltemperierten Tom Petty zutage. Die Melodik siegt also über die Rebellion. Die Musik feiert die Normalität des täglichen Lebens und die Genugtuung, sich damit zu arrangieren. Auf die Darstellung von großen Gesten, Wünschen und Abenteuern wird verzichtet.

Wenn die Bottle Rockets, die jetzt aus den Gründungsmitgliedern Brian Henneman (Gesang, Gitarre) und Mark Ortmann (Schlagzeug) sowie John Horton (Gitarre) und Keith Voegele (Bass) bestehen, eine gute Songvorlage verarbeiten, kann nichts schief gehen. Denn die Musiker harmonieren optimal miteinander und spielen kompakt sowie variabel. Die Produktion vom Gitarrenhelden Eric Ambel (Joan Jett & The Blackhearts, The Del-Lords, The Yayhoos) stellt den Gesang und die Instrumentierung gleichberechtigt nebeneinander. Seine Arbeit zeichnet sich wie immer durch Transparenz und Lebendigkeit aus.

Der Opener „Monday (Everytime I Turn Around)“ zeigt die Roots-Rocker, wie sie entspannt im Power-Pop-Modus agieren. Auch „Big Lotsa Love“, das eine Spur langsamer und ruhiger ausfällt, ist mit attraktiven Pop-Merkmalen ausgestattet. Der Folk-Rock der Byrds stand bei „Something Good“ und „Shape Of A Wheel“ Pate und „I Don't Wanna Know“ ist ein muskulöser Mid-Tempo-Rocker, der auf eine griffige Melodie zurückgreifen kann. Der spannendste und raffinierteste Song ist jedoch „Ship It On The Frisco“. Hier hat Brian Henneman einen cremigen Southern Soul-Schmelz über eine verschachtelte Melodie gelegt, die durch einen erdigen, seelenvollen Sound veredelt wurde.

Leider sind nicht alle Songs von dieser hohen Qualität. Die humorvollen Nummern „Big Fat Nuthin'“ und „Dog“ mögen auch noch in Bierlaune leicht nachvollziehbar sein, scheitern aber aufgrund ihrer durchsichtigen, einfachen Machart, da sie bei Mehrfachnutzung eine starke Abnutzung aufweisen.

Davon abgesehen ist „South Broadway Athletic Club“ aber ein rundes Werk geworden, das frisch und engagiert aus den Boxen tönt. Die Bottle Rockets sind eine feste Größe in der Roots-Rock-Szene der USA und es ist schön zu hören, wie sie auch nach 23 Jahren immer noch energiegeladene Klänge verströmen und aufgeschlossen für Neuerungen sind.

Anspieltipps:

  • Monday (Everytime I Turn Around)
  • I Don't Wanna Know
  • Something Good
  • Ship It On The Frisco

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