Beyond The Black - Lost In Forever - Cover
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Beyond The Black Lost In Forever


  • Label: Electrola/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Metal-Band aus der Retorte, u.a. produziert von Leuten, die auch Acts wie Oonagh, Santiano und Unheilig unter ihren Fittichen haben. Noch Fragen?

Mit Beyond The Black aus Mannheim debütierte im vergangenen Jahr eine Gruppe, die im Metal-Sektor sofort die Geschmackspolizei auf den Plan rief. Die Rede war von einer willkürlich zusammengecasteten „femal fronted Band“, die von einem Major-Sublabel, das mit Metal rein gar nichts am Hut hat, mit Blick auf die Charts im stilistischen Fahrwasser von Nightwish und Within Temptation platziert werden sollte. Poppiger Symphonic-Gothic-Metal sollte es sein, den Beyond The Black abzuliefern hatten. Und Jennifer Haben (Gesang), Christopher Hummels (Gitarre, Gesang), Nils Lesser (Gitarre), Erwin Schmidt (Bass), Michael Hauser (Keyboards) und Tobias Derer (Drums) lieferten tatsächlich amtlich ab.

Als Lohn sprangen u.a. ein 12. Rang in den deutschen Album-Charts, ausverkaufte Clubshows und der Tour-Support von Saxon heraus. In diesem Jahr dürfen Beyond The Black sogar mit den Scorpions auf Tournee gehen. Hier dürfte die Höhe des Gebots von Seiten des Majorlabels entscheidend gewesen sein. Denn musikalisch haben die Scorps und Beyond The Black kaum Berührungspunkte. Das Sextett bekam auf seinem Debüt „Songs Of Love And Death“ (02/2015) sowie auch für den Nachfolger „Lost In Forever“ ohnehin eine Produzentenschar an die Seite gestellt, die für Szene- und Heavy-Metal-Puristen diskussionswürdig ist.

Denn neben Sascha Paeth (u.a. Gamma Ray, Running Wild, Brainstorm, Avantasia) tummeln sich auch Verdächtige wie Thorsten Brötzmann (u.a. Oonagh, No Angels, Unheilig, Alexander Klaws) sowie Hardy Krech und Mark Nissen (u.a. Santiano, Sven Van Thom, Kissin‘ Dynamite, DJ Ötzi) in den Credits. Ein Schelm, wer dahinter eiskalte kommerzielle Berechnung vermutet. Es verstärkt jedenfalls den Eindruck, dass Beyond The Black noch nie wirklich authentisch gewirkt haben. Auftritte im ZDF-Fernsehgarten und im Sat.1 Frühstücksfernsehen bestätigen dies.

All diese verwirrenden Nebengeräusche, verbunden mit der Vorgeschichte, ergeben auf „Lost In Forever“ eine technisch einwandfrei eingespielte (tolle Gitarrensoli!) und auf Hochglanz polierte Produktion, die mehr als ordentlich aus den Boxen ballert, aber in ihrem makellosen Körper kein Herz und keine Seele feststellen lässt. Musik, die berührt, hört sich nämlich definitiv anders an. Vielleicht liegt dies daran, dass fünf der sechs Musiker auf der Popakademie Baden-Württemberg studiert haben und noch immer so klingen, als wollten sie ihrem Professor etwas beweisen. Dreck unter den Fingernägeln und ein paar Kanten in den Songstrukturen hätten allerdings mehr Pfiff gehabt.

So tragen Beyond The Black in einer Stunde 13 Songs vor, von denen kein einziger auch nur ansatzweise hängenbleibt. Im Vergleich zu bekannten Genrevertretern liefern die Mannheimer lediglich perfekte Abziehbilder ab, die an nicht vorhandener Tiefe und einem konstruierten Image scheitern. Und sind wir mal ehrlich: Wie langweilig sind Bands, bei denen permanent die technischen Fähigkeiten herausgestellt werden? Allein durch diese Merkmale konnten auch Rush und Dream Theater nicht so lange überleben. Und überhaupt: Mit Rock’n’Roll hat dies ja mal so gar nichts zu tun.

Anspieltipps:

  • Dies irae
  • Nevermore
  • Against the world
  • Burning in flames
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