Femme Schmidt - RAW - Cover
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Femme Schmidt RAW


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie viele Stereotype und Phrasen auf ein Album passen, wird bei Stangenware wie „RAW“ mal wieder deutlich.

Eine Diva zu sein, ist noch kein Genre. Femme Schmidt will uns mit ihrer vermeintlichen Stärke, ihrer Stimme, verzaubern. Doch sie gibt uns Hörern dabei weder über Melodien noch über einen Stil Möglichkeiten, tatsächlich Gefallen an ihr zu finden. Wer nun meint, dass sie vielleicht einfach gut in allem ist, der hat das Album entweder noch nicht gehört oder denkt, dass Coldplay unbedingt noch verkrampfter versuchen sollten, modernen Trends gerecht zu werden.

Der Zuchtlaborcharakter macht sich von der ersten Sekunde an breit, wenn „To The Edge“ nach einem lauen Florence + The Machine-Song für einen James-Bond-Film klingt. Fokus auf die Stimme, präsente Drums und ein paar Streicher für den Filmcharakter und fertig ist der Track aus der Dose. Dass aus diesen Zutaten auch gute Musik geschaffen werden kann, steht außer Frage, doch dieser Opener tritt in allen Belangen auf die Bremse und ist gänzlich glattpoliert. Wenn dann noch ein bisschen bei Lana Del Rey angeleiert wird („The Music“) und die Nähe zu den schwächsten Momenten der neuen Coldplay-Scheibe „A Head Full Of Dreams“ mit „Golden“ erreicht wird, ist der letzte Funken Hoffnung auf gute Popmusik unter einer Welle der Enttäuschung erloschen.

Auch ist es „Golden“, welches deutlich macht, dass auf „RAW“ keiner Vision und keiner Idee gefolgt wird. Femme Schmidt hat nicht vor, sich in irgendeiner Weise hervorzutun. Der Pop mit obligatorischem DubStep-Hauch in „Golden“ wird für Genre-Änderungen bis zum gewollt sexy Chanson („Hurts So Good“) regelmäßig ausgetauscht. Dabei ist kein Fluss zu erkennen. Eher wirkt die Sängerin wie eine Politikerin, die von Rede zu Rede ihre Meinungen schlagartig ändert und sich hinterher wundert, warum man ihr als Außenstehender nichts mehr abkauft. Die Rückkehr zu konventionellem Stimmchen-Pop mit Liedern wie „Loving Forces“ und „Shape Of Love“ zum Abschluss des Albums wirken in diesem Kontext wie ein Sicherheitsnetz. Nur ist die Sicherheit dieses Albums zu keinem Zeitpunkt derartig miteinander verknüpfbar, dass sich ein Muster erkennen lässt.

Ohne ein musikalisches Gesicht und ohne großen Hit muss einfach festgehalten werden, dass „RAW“ lediglich ernüchternde Attribute auf seiner Seite weiß. Langweilig, uninspiriert und unentschlossen sind passende Worte für ein Album, das zu keinem Zeitpunkt für sich selbst steht. Es scheint sich fast schon um eine Zirkusnummer oder eine Talentvorführung zu handeln. Irgendetwas muss dem Hörer doch gefallen. Dass Hörer sich in der Regel allerdings für Hits und Konzepte begeistern lassen, ist an diesem Projekt leider vollends vorbeigegangen. In Anbetracht des Debüts ist diese Tatsache nicht nur bedauernswert, sondern auch unbegreiflich.

Anspieltipps:

  • To The End
  • Shape Of Love
  • The Music

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