Torpedo Boyz - Don´t Cry - Cover
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Torpedo Boyz Don´t Cry


  • Label: Lounge Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was für ein krasses Kontrastprogramm!

Die Torpedo Boyz wollen gute Laune verbreiten, Spaß haben und ab und zu zum Tanzen animieren. Solch ein Vorhaben kann man mit Haltung durchführen oder dabei in alberne, kindliche Gefilde abgleiten. Das Quintett aus Berlin macht beides und dies führt dazu, dass die Platte nicht unbedingt in einem Zug durchgehört werden kann, sofern der verabreichte Humor nicht auf Gegenliebe stößt.

Und so läuft ein mit Höhen und Tiefen gespicktes Programm ab, bei dem nicht klar ist, welche Zielgruppe eigentlich bedient werden soll. „Don`t Cry“ ist quasi eine Erkennungsmelodie, die wie der Anfeuerungsgesang von Cheerleadern für ihre Mannschaft aufgemacht ist. Überflüssig. Und „Bocadillo“ hört sich wie der Soundtrack zu einer Touristen-Animation für ein billiges All-Inclusive-Ferienparadies an. Harmlose Girl-Vocals und eine ebensolche Melodie schrecken ab. Ein peinlicher Klamauk. Das Zeug zum Sommerhit hat „Grlfrnd“. Dieser Power-Pop hat eine zündende Melodie, bei der die Sonne aufgeht. Klasse. „Slowly Fades Away“ ist eine Electro-Pop-Ballade, die teilweise mit Vocoder-Stimme unterlegt wird und sehnsüchtige Emotionen erzeugt. Ordentlich. „Immer Zu Spät“ wildert dann in den tiefsten Niederungen der Neuen Deutschen Welle und bringt inhaltlich, musikalisch und gesanglich üble Erinnerungen zurück. Gruselig.

Zu einem treibenden Disco-Pop mit gleißend-heißer Mundharmonika wurde „Roadside“ verwandelt. Das ist originell und hat Daft Punk-Niveau. Beachtlich. „Ayu No Kaze“ wird wahrscheinlich auf Japanisch gesungen, falls das nicht ein Gag sein soll und die Sprache in Wirklichkeit erfunden ist. Der stumpfe Disco-Dance-Pop dient einzig und allein zum Füllen des Tanzbodens, kann aber melodisch nicht überzeugen. Unbedeutend. „C'mon Ev'rybody“ zappelt stoisch und überkandidelt vor sich hin. Der stupide Track wird mit Effekten betankt, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Komposition keine Großtat ist. Aufgekratzt und unkompliziert. In Gedenken an das verstorbene Gründungsmitglieds Returner ist „Show Must Go On“ entstanden. Die Nummer hat nachdenkliche und quirlige Momente sowie einen Funk- und Rock-Abschnitt. Ausbaufähig.

Produktionstechnisch wird bei „Don`t Cry“ dem Loudness-Wahn gehuldigt. Die Titel kommen deshalb mit kräftigem Druck aus den Boxen, haben aber wenig Transparenz. Die Anhebung des Pegels liegt knapp unter der Grenze zur Verzerrung. 2010 erschien mit „Return Of The Ausländers“ das bisher letzte Album der Torpedo Boyz. Eine lange Zeit, um Kurskorrekturen vorzunehmen, Fehleranalyse zu betreiben sowie neue Ideen zu entwickeln. Solch eine Nabelschau ist natürlich nicht notwendig, wenn nur aufpeitschende Stimmungsmusik erzeugt werden soll. Die Torpedo Boyz beweisen aber auch, dass sie durchaus in der Lage sind, anregende Pop-Musik zu produzieren. Leider kommt dieser Ansatz bei „Don`t Cry“ viel zu kurz.

Anspieltipps:

  • Grlfrnd
  • Roadside
  • Slowly Fades Away
  • Show Must Go On

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