Swiss & Die Andern - Missglückte Welt - Cover
Große Ansicht

Swiss & Die Andern Missglückte Welt


  • Label: Missglückte Welt/SOULFOOD
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Missglückte Welt“ ist ein Konzeptwerk. Ein Protestalbum. Eine Abrechnung und ein Aufruf zur Gegenkultur.

Der Hamburger Rapper Swiss hat sich nun scheinbar endgültig vom HipHop losgesagt, um mit seiner Band Die Andern den Finger in die Wunden des alltäglichen Irrsinns zu legen: Krieg, Terror, Flüchtlingsnot, Klimawandel, Wohlstandsschere, Kontrolle durch die Mächtigen, Wikileaks, Digitalisierungswahn, Attac und Occupy. Die thematische Bandbreite ist schier endlos. Doch anstatt seine Ansichten in HipHop-Tracks zu pressen, lässt Swiss seine Raps auf „Missglückte Welt“ nun schon zum zweiten Mal nach dem Debütalbum „Große Freiheit“ (2015) von Jakob Schulze (Gitarre), Mathias Grimm (Bass), DJ Da Wizard und Tobias Gerth (Drums) in räudigen Punkrock einbetten.

Seine Wurzeln lässt Swiss natürlich auch zusammen mit Den Andern nicht völlig außen vor. Dazu sind die Beats immer noch zu sehr im HipHop verwurzelt und gerappt wird gefühlt auch mehr als gesungen. Dazu stammt die Produktion von HipHop-Szene-Guru Marc „Sleepwalker“ Wichmann (Xavas, Samy Deluxe, Absolute Beginner, Deichkind). Trotzdem ist der Sound im Vergleich zum Vorgänger erst jetzt so richtig im Punkrock angekommen, auch wenn „Missglückte Welt“ freilich kein reinrassiges Punk-Album ist. Ein Widerspruch? Mitnichten! Denn Punkrock ist nicht nur Musik, sondern auch eine Geisteshaltung. Und diese kommt in den 13 Tracks sehr gut zum Vorschein.

„Missglückte Welt“ ist ein Konzeptwerk. Ein Protestalbum. Eine Abrechnung und ein Aufruf zur Gegenkultur. Musikalisch setzt sich die Band dabei keine Grenzen. Mit fetten Grooves und harten Gitarren wird die Rhythmik von Rage Against The Machine adaptiert („Einz, einz, zwei“), es gibt 90er-Jahre-Crossover à la Such A Surge („Pogo“), 70er-Jahre-Polit-Punk wird mit dem Ton-Steine-Scherben-Cover „Rauchhaussong“ ins Hier und Jetzt geholt und „Perfekte Imperfektion“ darf zur Abwechslung mal richtig poppig sein.

Fazit: Bei allem Protest-Gekeife und den vielen politischen Themen kommt der Spaß trotzdem nicht zu kurz, sodass Swiss & Die Andern mit ihrem zweiten Album mehr als nur eine Standortbestimmung abliefern. Sie konnten sich im Vergleich zu „Große Freiheit“ nämlich auch noch einmal steigern.

Anspieltipps:

  • Irgendwann
  • Rauchhaussong
  • Einz, einz, zwei
  • Der falsche Song
  • Kopf der Gertraud Bräuer
Neue Kritiken im Genre „Punkrock“
Diskutiere über „Swiss & Die Andern“
comments powered by Disqus