Jupiter Jones - Brüllende Fahnen - Cover
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Jupiter Jones Brüllende Fahnen


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Jupiter Jones verlassen das sanfte Bett der Radiofreundlichkeit.

Immer wieder stellt sich heraus, dass das Leben wie eine Achterbahnfahrt ist. Das musste auch die Band Jupiter Jones erfahren, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2002 Stück für Stück hochgearbeitet und in die Herzen der Indie-Gemeinde gespielt hat. Vor fünf Jahren erreichte die Gruppe dann ihren vorläufigen Zenit. Ihr Longplayer „Jupiter Jones“ (02/2011) entwickelte sich zu einem künstlerischen und kommerziellen Überflieger mit ungeahnten Höhen, wie den grandiosen Singlehits „Still“ und „ImmerFürImmer“. Jupiter Jones waren endgültig im Indie-Rock-Olymp angelangt.

Doch es folgte, was folgen musste. Mit dem „Das Gegenteil von allem“-Album (10/2013) erlebte die Band einen Absturz, den auch ein fünfter Platz in den deutschen Charts nicht kaschieren konnte. Ein halbes Jahr später stieg auch noch Sänger Nicholas Müller krankheitsbedingt aus und die anstehende Tour wurde abgesagt. Schlimmer konnte es kaum kommen. Allerdings haben sich Jupiter Jones davon nicht unterkriegen lassen. Sie holten mit Sven Lauer einen Kumpel als neuen Sänger in die Band und überdachten vieles von dem, wie sie in der Vergangenheit gearbeitet hatten. Neun Monate dauerte die Vorproduktion, bevor mit dem Produzenten Olaf Opal (Sportfreunde Stiller, Juli, The Notwist, Die Sterne) Nägel mit Köpfen gemacht wurden.

Herausgekommen ist ein Album, das die Band für alles andere als ein „Feelgood-Movie“ hält. Denn dazu mussten zu sehr die zitierten schweren Zeiten verarbeitet werden, für die kein Platz in Hochglanz-Popsongs war. Reduzieren, bis es wehtut, war die Maxime, die sich nun in 12 Tracks widerspiegelt, die kaum noch etwas mit den „alten“ Jupiter Jones zu tun haben. Das zeigt schon der Opener und Titeltrack, der als rhythmisches Allerlei wie ein Experiment klingt, das sich durch das gesamte Werk zieht. Jupiter Jones verlassen das sanfte Bett der Radiofreundlichkeit. Alles klingt kantiger, frischer und mutiger, auch wenn dabei nicht alles zu 100% gelingt.

Es ist trotzdem spannender, ein Übergangsalbum wie dieses zu erkunden, als mit „Das Gegenteil von allem“ eine fast schon peinliche „Jupiter Jones“-Kopie vorgesetzt zu bekommen. So fällt in Stücken wie „Herzen schlagen sich“ oder auch „70 Siegel“ auf, dass Sven Lauer das Charisma seines Vorgängers in der Stimme fehlt und dass dem Album insgesamt die großen Melodien und Hooks abgehen. Dafür gibt es nette Details, wie die Bläserparts in „Faustschlag“ oder den Bluesrock im Stile der White Stripes und The Black Keys in coolen Songs wie „Intrigen, Intrigen“, „Dann greif ich an“ und „Zugabteil“ zu entdecken.

Auf diese Weise ist „Brüllende Fahnen“ ein Schritt in die richtige Richtung, der ab und zu an das Frühwerk von Selig erinnert und so etwas wie eine Neuerfindung darstellt, die noch ein bisschen ruckelt, aber die klare Botschaft hinterlässt, dass diese Band noch lebt und einen neuen Weg eingeschlagen hat, der tatsächlich der richtige zu sein scheint.

Anspieltipps:

  • Zugabteil
  • Faustschlag
  • Jede viertel Sekunde
  • Alle Türken heißen Ali
  • Rückenwind / Gegenwind
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