Travis - Everything At Once - Cover
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Travis Everything At Once


  • Label: Red Telephone Box
  • Laufzeit: 33 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Everything At Once“ kommen Travis heuer nicht über den „Ganz nett“-Status hinaus.

Travis ist eine Band, die nach fast 20 Jahren im Pop-Business in sich ruht und ihre Mitte gefunden hat. Denn sie hatte bis jetzt alles: Indie-Fame und Mainstream-Ruhm, sie waren Kritikerlieblinge und Fan-Favoriten, verkauften Millionen Platten und wurden täglich im Radio gespielt. Mehr gibt es nicht zu erreichen. Also nahm Mastermind Fran Healy den Fuß vom Gas, machte im Jahr 2010 ein Soloalbum, siedelte nach Berlin über und ließ sich fortan für seine Musik die Zeit, die er für nötig hielt. Dazu wurde mit Red Telephone Box ein eigenes Label gegründet, was die Unabhängigkeit verstärkte. Kein Wunder, dass Travis auch heute noch in Originalbesetzung antreten.

Neue Platten erscheinen seit 2008 („Ode To J. Smith“) in unregelmäßigeren Abständen. Mit „Everything At Once“ ist es nun wieder mal soweit, nachdem „Where You Stand“ (08/2013) auch schon fast drei Jahre auf dem Buckel hat. Man spürt förmlich, wie sehr sich diese Band von der Business-Hektik verabschiedet hat und einfach nur noch alle paar Jahre ein Bündel frischer Songs vorlegen möchte. Songs, die noch immer die alte Melodieseligkeit der 90er Jahre in sich haben, auch wenn dabei keine Hits mehr wie „Why does it always rain on me“ abfallen.

Dabei können sie es noch immer! Songs wie „Magnificent time“, „All of the places“ oder auch „3 miles high“ haben sommerlich-leichte Melodien, für die der Hörer Travis einfach gernhaben muss, auch wenn Kritiker immer wieder das Haar in der Suppe suchen und finden. Dabei halten sich Travis streng an die Pop-Formel. Zehn Songs in 33 Minuten. Da ist eigentlich kein Platz für Ballast und Füllmaterial. Eigentlich. Denn Travis verarbeiten heuer einfach zu viel Brimborium, ohne dabei durchgehend zwingend zu sein. So wird im „Radio song“ die E-Gitarre ungewohnt hart angeschlagen, während „Paralysed“ zu viel Bombast im Stile eines Soundtrack-Beitrags auffährt und der Titeltrack ziellos umher mäandert. Darüber hinaus durchleben Travis mit „Animals“ und „Stranger on a train“ ihre leider nur durchschnittlichen U2-Momente.

Fazit: Mit „Everything At Once“ kommen Travis heuer nicht über den „Ganz nett“-Status hinaus. Ein zukünftiges Lieblingslied kann das Album jedenfalls nicht bieten. Dazu sind die Songs einfach zu unscheinbar und brav. Für dieses gegenpolige Image zu Oasis und Konsorten hatte der Hörer Travis in den 90er Jahren noch lieb. Doch anno 2016 wird einfach zu viel davon aufgetragen.

Anspieltipps:

  • Animals
  • Radio song
  • 3 miles high
  • Magnificent time
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