OK KID - Zwei - Cover
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OK KID Zwei


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

OK KID entfernen sich noch weiter von ihren HipHop-Wurzeln und landen noch tiefer in der Popmusik.

Die aus Gießen stammenden und inzwischen in Köln beheimateten Jonas Schubert, Moritz Rech und Raffael Kühle alias OK KID haben mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum (2013) die Grenzen im deutschen HipHop gesprengt und damit ordentlich Bewegung in das Genre gebracht. Schließlich hat Rapper Sido nicht das alleinige Anrecht gepachtet, mit seinen Songs immer poppiger zu werden. Genau an diesen anti-puristischen Genre-Grenzgang setzt nun auch „Zwei“ an, das wie schon das Debütalbum von Sven Ludwig (u.a. Liedfett, Max Mutzke, Revolverheld, Beatsteaks) produziert wurde.

Wenn man so will, dann ist eine Gruppe wie OK KID die einzig logische Folge von Cros vor vier Jahren eingeläuteter HipHop-Verwässerung („Raop“), mit dem Unterschied, dass die vermeintlichen Nachahmer sympathischer sind als das Original, was u.a. daran liegt, dass OK KID dem Hörer nicht irgendeine möchtegern-coole Attitüde aufdrücken wollen. Ihre Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie scheint die Zauberformel zu sein, mit der sie schlicht und ergreifend die Grundregeln der Popmusik befolgen und damit ein leichtverdauliches Album raushauen, das sogar ein bisschen politisch sein darf.

Politische Meinungen kundtun, ohne aufdringlich zu werden, das passt zu einer Band, die noch auf der Suche nach ihrem endgültigen Stil zu sein scheint. Bis dieser gefunden ist, gibt es eben von allem ein bisschen. Dazu werden HipHop-Beats mit E-Gitarren und flirrenden Keyboards kombiniert („Blüte dieser Zeit“), konsequent eingängiger Radio-Pop aufgefahren („Es ist wieder Februar“), klassischer HipHop gepumpt („5. Rad am Wagen“ feat. Megaloh) und der Hamburger Gitarren-Pop-Schule gehuldigt („U-Bahnstation“ feat. Frank Spilker, bekannt als Sänger von Die Sterne).

In der Summe ergibt dies ein gut hörbares, freilich nicht sensationelles Popalbum, mit dem sich OK KID noch ein Stückchen besser in der Pop-Landschaft platzieren und ihre HipHop-Wurzeln weiter hinter sich lassen. Besonders tiefe Spuren hinterlassen sie dabei zwar nicht, aber es gibt so Phasen in der Popmusik, da ist dies bereits ausreichend und Grund genug, um auch den nächsten Karriereschritt machen zu können.

Anspieltipps:

  • Bank
  • Erinnert
  • Bombay calling
  • Blüte dieser Zeit
  • Es ist wieder Februar
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