Jeanne Added - Be Sensational - Cover
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Jeanne Added Be Sensational


  • Label: Naive/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Be Sensational“ bietet überwiegend dunklen Electro-Pop aus Frankreich. Jeanne Added schöpft allerdings damit ihre Möglichkeiten nicht voll aus.

Popmusik aus Frankreich fristet bei uns nur ein Nischendasein. Zwar gibt es solche Ausnahmeerscheinungen wie die quirlige Neo-Chanson-Interpretin Zaz, die auch größere Hallen füllt, aber ansonsten sind nur wenige Künstler aus unserem Nachbarland regelmäßige Gäste in den Charts. Im alternativen Umfeld genießt zum Beispiel Benjamin Biolay einen guten Ruf und wir haben hier schon über hoffnungsvolle Nachwuchskünstler wie Nôze oder Nina Attal berichtet.

Nun liegt das Debütalbum von Jeanne Added vor. Die Französin ist ausgebildete Cellistin und hat außerdem Klassik- und Jazz-Gesang gelernt. Auf „Be Sensational“ ist sie allerdings dem Electro-Pop zugeneigt, so dass von ihren Ursprüngen nichts mehr zu hören ist. Die eigenwillige Vokalistin singt in englischer Sprache und trägt außerdem Bass- und Keyboard-Töne zu ihren Kompositionen bei. Für die weitere musikalische Begleitung sorgen noch Dan Levy (Keyboards, Drums, Programming) und Marielle Chatain (Gesang, Keyboards, Percussion).

Mit dem Statement „A War Is Coming“ wird das Album bedrohlich von einer grollenden Orgel eröffnet. Die Stimme arbeitet sich aus dem Hintergrund tapfer nach vorne. Gebetsmühlenartig wiederholte Verse werden hier von bedrückenden Sounds flankiert. Gäbe es nicht die Rhythmusmaschinen, die einen lebendigen Beat vorgeben, könnte das Gehörte mit der Grabeskälte, die häufig auf den Solo-Werken der ex-Velvet Underground-Sängerin Nico vorherrscht, verglichen werden.

Jeanne Added kann nämlich immer dann überzeugen, wenn sie mit monotonen, geheimnisvollen Klanginstallationen arbeitet. So wie beim Titelstück. Diese Ballade macht einen eingeschüchterten Eindruck. Andächtig und dramatisch wird der Song durch sakrale Orgelschübe eingeleitet und entwickelt sich zu einem intensiv-ernsthaften Lied mit flirrenden und dröhnenden Tonfolgen.

Trauer und Verzweiflung werden bei „Ready“ durch in Moll getauchte Klänge angedeutet. Künstliche, gedehnte Tonwellen unterstreichen diese Ausnahmesituationen. Gleichbleibende Klänge, die auf die hypnotische Wirkung von Minimalismus setzen und zusätzlich auch Pop-Zitate zulassen, werden für „Miss It All“ verarbeitet. Dieses Prinzip wird für „Lydia“ auf stoisch wiederholte Textzeilen ausgedehnt. Musikalisch erinnert das an die frühen Human League von „Reproduction“ aus 1979. Die Synthesizer-Popper wurden zunächst durch maschinenhafte, emotionslose New-Wave-Epen bekannt, bevor sie durch einen gehörigen Pop-Input Welthits wie z.B. „Don`t You Want Me“ (von „Dare“ aus 1981) produzierten.

Es gibt auch Songs, die zwischen Drama und Hoffnung vermitteln. Die fanfarengleichen Einschübe in „Suddenly“ bauen Spannung auf. Der Gesang sorgt dann für Harmonie und lässt den Track ausgeglichen erscheinen. Grummelnde Harmonium-Klänge werden bei „Night Shame Pride“ durch vereinzelte aufhellende Rhythmusspielchen aus der Isolation geholt. Die Stimme ist auch hier bemüht, die grauen Wolken zu verdrängen.

Das grundsätzlich bewegende und seriöse Konzept wird allerdings nicht durchgängig durchgehalten. So beginnt „It“ wie ein Lied mit Kinderreimen, das durch harte Industrial-Rhythmen aufgebauscht wird. Die Ausführung lässt an die eintönigen Predigten von Anne Clark, wie z.B. „Sleeper in Metropolis“ von „Changing Places“ (1983), denken und kann weder melodisch, noch emotional überzeugen. Die Ballade „Look At Them“ badet in Pathos und kommt dabei auch recht schmalzig rüber. Und „Back To Summer“ ist nur eine einfach strukturierte, stupide Electro-Pop-Nummer, die einen billigen Eindruck hinterlässt.

Mit ihrer überwiegend synthetischen Ausrichtung scheint sich Jeanne Added unter Wert zu verkaufen. Aufgrund ihrer Vorbildung müsste sich die erfahrene Musikerin nicht in diesem relativ engen Rahmen tummeln. Hätte sie ihre anderen Fähigkeiten auch kreativ eingebracht, wäre es sicherlich möglich gewesen, das Klangbild noch weiter zu bereichern und die Musik dadurch atmosphärisch aufzuwerten.

Anspieltipps:

  • A War Is Coming
  • Be Sensational
  • Lydia
  • Suddenly

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