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Siamese Siamese


  • Label: Prime Collective/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Siamese erzeugen moderne harte Klänge mit Electronic-Pop-Überzug in perfekter Produktion. Bitte nicht unter Rock & Roll einordnen.

Die Musik der Dänen von Siamese setzt sich grob genommen aus dem Drama-Rock von Queen, dem aggressiven Indie-Rock von Billy Talent, dem harten, eckigen Wave-Funk der Gang Of Four, der Pop-Herrlichkeit von Panic! At The Disco und den abenteuerlichen Tempo-, Lautstärke- und Dynamik-Sprüngen der Prog-Rocker von Yes zusammen.

Das Zeug wird makellos abgespult, so dass der Verdacht hochkommt, bei der Umsetzung könne es sich lediglich um eine fehlerfreie, getunte Produzentenarbeit handeln. So rein und gleich getaktet können Musiker aus Fleisch und Blut eigentlich nicht agieren. Diese Perfektion hat anfangs sogar ihren Reiz, weil sie im Zusammenklang mit dem strahlenden Helden-Tenor von Mirza Radonjica Unfehlbarkeit suggeriert. Aber das ist eben kein Rock & Roll. Dazu gehört mindestens eine Spur Dreck, Rebellion und unberechenbare Emotionen.

Eigentlich passiert durch die vielfältigen Zutaten eine Menge und der Hörer wird dadurch bei Laune gehalten. Da fällt es schon negativ auf, wenn sich Titel wie „The Chase“, „Bleed“ oder „Woman“ als bloße Elektro-Pop-Schnulzen entpuppen.

Schnelle, harte, maschinengewehrmäßige Rhythmen bereiten den Boden, auf dem der hymnische Melodic-Rock von „Tomorrow Never Dies“ ausgebreitet wird. Die Darbietung ist knackig, scharf, kompromisslos, aber leider auch steril. Dieses Konzept funktioniert allerdings einwandfrei beim eckig-kantigen Wave-Funk von „Bastards“, dem heimlichen Hit des Albums. Generell hinterlassen die Songs mit Funk-Einschlag („Ordinary“, „Monophobia“) einen quirligen Eindruck.

Ein angedeuteter Punk-Reggae sorgt bei „Advice To A Son“ für Stimmung. Synthetische Streicher schaffen zusätzlich eine schräge Exotik und sehnsüchtige Gesänge bringen Schmalz in die Suppe. Das Grundprinzip besteht bei den meisten Kompositionen darin, durch Adrenalin geschwängerte Attacken den Puls des Hörers nach oben zu treiben und so den Eindruck einer gesunden Grundaggression zu schaffen.

Was aber auf Dauer schwer zu schaffen macht, ist die keimfreie Produktion, die keine richtige Identifikation mit den Musikern und deren Haltung möglich macht. Aber so funktioniert Musik heute, wenn sie Indie-Rock-Jünger und Elektro-Popper zusammenbringen will. Die Töne sind zwar sofort ansteckend, hinterlassen aber keinen nachhaltigen Eindruck.

Anspieltipps:

  • The Bastards
  • Ordinary
  • Advice To A Son
  • Monophobia

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