Ben Caplan - Birds With Broken Wings - Cover
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Ben Caplan Birds With Broken Wings


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mächtiger Bart. Mächtige Stimme. Gutes Album.

Ben Caplan muss sich nicht majestätischer geben, als er so schon erscheint. Mit Barbarossa-Bart und einer vollen, rauen Stimme ausgestattet, setzt der Musiker ausschließlich auf akustisch und live eingespielte Instrumente, wenn er sich ans Musizieren macht. Gitarrenartige Instrumente, Streicher, Holz- und Blechbläser und sogar eine Harfe kommen da schon mal im eröffnenden Titeltrack und dem anschließenden „I Got Me A Woman“ zum Einsatz. Chapeau, Herr Caplan, für so einen bombastischen Einstieg in einem solch natürlichen Gewand. Dann fehlt eigentlich nur noch eine schwermütig romantische Piano-Ballade wie „Belly Of The Worm“ und fertig ist das perfekte Singer/Songwriter-Folk-Album.

Warum es doch nicht zu einem Meisterwerk reicht, ist dann doch an Ben Caplans fehlender Regulierung auszumachen. Wenn er Gypsie- und weitere Einflüsse einlädt, dann müssen diese, wie in einem Zirkus, breit vorgeführt werden. „Ride On“ und „Under Control“ sind zu sehr in sich selbst verliebt. Zwar weiß besonders „Under Control“ mit erwähnten Gypsie-Einflüssen zu prahlen, aber eben nicht zu kokettieren. Soll heißen, dass der Musiker immer gleich volle Kanne gibt und Nuancen immer wieder verloren gehen. Selbst die stiller klingenden „Deliver Me“ und „40 Days & 40 Nights“ blasen sich in ihrem jeweiligen Stilgewässer derartig auf, dass sie eher einer Show gleichen. Charakter geht dabei leider verloren.

Wie ein Zirkusbesuch ist „Birds With Broken Wings“ ein wilder Ritt und ein umwerfendes Erlebnis beim ersten Mal. Danach wird der ganze Spaß aber auch nur als eine Aneinanderreihung von Attraktion in Erinnerung bleiben. Einzelne Lieder und besondere Momente bleiben größtenteils aus. Ben Caplan gibt sich als Showmaster und vielleicht auch als Dompteur vieler Genres. Dabei schafft er es, verschiedener Richtungen Herr zu werden, ohne dabei seine Bestimmung in den Vordergrund rücken zu können. Dass trotzdem ein unterhaltsames Stück Musik herausgekommen ist, ist mehr als nur ein Hoffnungsschimmer.

Anspieltipps:

  • Under Control
  • I Got Me A Woman
  • Belly Of The Worm

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