Alphamay - Twisted Lines - Cover
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Alphamay Twisted Lines


  • Label: Timezone Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Alphamays drittes Album gibt Einblicke in alte Dark-Wave-Zeiten mit etwas mehr Pop und gelegentlich mehr Schmackes.

Alphamay kündigen sich mit retrofuturistischem Gepiepe an. Eine kurze, geloopte Tonsequenz, die den Zukunftsfantasien der Sounddesigner alter Sci-Fi-Filme entstammt und diesmal einen Zeitsprung in die Vergangenheit untermalt. Denn wie schon die vorigen Werke des Duos ist „Twisted Lines“ ein Rückgriff auf die Ära übergroßer Sonnenbrillen, Manta-Matten und Synthie-Sünden: die Achtziger.

Vor dem Hintergrund wirken Vergleiche mit Depeche Mode wie faule Vereinfachungen: Elektropop mit Wave-Einschlägen eben. Doch wer erstmals in „Twisted Lines“ reinhört, dem drängen sich die Parallelen förmlich auf. Trotzdem, die Briten haben einprägsame, seichte Synthiemelodien und Bariton-Gesang schließlich nicht für sich gepachtet und Alphamay haben sich mit Pop-Ansprüchen und Metal-Epik („Dreams In Colours“) eine eigene Nische geschaffen. Die Drum-Maschinen setzen in „3:45 AM“ oder „Ease Your Pain“ mal einen Fuß in härteres EBM-Territorium und Cris' krächzender Gesang, wenn er auch manchmal zu gezwungen klingt, bildet einen angenehmen Gegenpol zu Frontmann Hennings kaltem Bariton.

Oftmals sind es auch kleine Details, die an „Twisted Lines“ Spaß machen. Die warmen Bässe in „No Man's An Island“, die lächerlich freudig klingenden Keyboardklänge, die den doch eher düsteren Refrain in „Nightclub Nightmares“ begleiten, oder der Gesang des Duos, der in „Silence Emotion“ am Ende jedes Satzes mit dem Bass verschmilzt. Es sind die kleinen Momente. „Rising Moon“ erinnert in den treibenden Parts stark an „Rain“ der Hamburger Kollegen von Project Pitchfork. Das jedoch soll höchstens die Betroffenen stören, denn es ist bei Weitem nicht der stärkste Moment auf dem Album.

Den Platz nimmt „The Scepter Alliance“ ein, in dem Henning stimmlich endlich für mehr Abwechslung sorgt. Der Song ist mit der poppigste auf „Twisted Lines“, das Thema das definitiv einprägsamste. Mit „Dreams In Colours“ greifen Alphamay das Gepiepe vom Anfang subtil wieder auf und treten in Balladenform die Rückreise in die Zukunft ein. Freilich verabschiedet sich nicht die elektronische Avantgarde, wie Alphamay sich selbstsicher selbst beschreiben. Ein solides, gutes Album ist es dennoch geworden.

Anspieltipps:

  • Summer of '89
  • 3:45 AM
  • The Scepter Alliance

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