MMOTHS - Luneworks - Cover
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MMOTHS Luneworks


  • Label: Because Music/ALIVE
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Schlaf und Wachzustand regen sich hauchende Synthies und schnalzende Beats.

Jack Colleran, eher bekannt als MMOTHS, beschritt den Pfad der Musikerkarriere erstmals 2010, als er Ableton Live für sich entdeckte. Wann anschließend die Einsamkeit ihn fand, ist unklar. Seine „EP1“, die 2012 erschien, stand noch auf der Schwelle des Chillwave, dem Urkind aller Bedroom Producer: irgendwo zwischen Ambient und Tanzmucke. Irgendwann muss ihn also die Isolation überkommen haben, denn sein Debütalbum „Luneworks“ verschreibt sich viel mehr den sphärischen Aspekten seiner Musik als es EP1 tat.

Man merkt es am Cover: eine schlafende Person, vom Oberkörper aufwärts nackt, in blau-violetten Schattierungen und weißem Licht. Die Sonne geht gerade auf, das Gesicht ist noch in der Armbeuge vergraben. Ein friedlicher Schlaf, aber einer, der zwangsläufig enden muss. „Luneworks“ bewegt sich in dieser Dämmerung zwischen Wachzustand und Traumwelt, in der beide noch miteinander verwoben sind. MMOTHS beschreibt das in flächigen, glitzernden Tönen, wie langgezogene Chöre, von Rauschen durchsetzt und von Pianoklängen unterbrochen. Von Track „You“ bis „Verbena“ ist es ein fließender Prozess des Aufstehens, in dem sich nur langsam Beats Bahn brechen.

In „Deu“ und „Para Polaris“ sind das noch schnalzende Snares. Mit „Eva“ jedoch, das „Scent“ von der Narrative der Vorgänger trennt, ertönt ein durchgängiger 4/4-Beat, der von Collerans Gesang begleitet wird. War der zuvor noch fast unbemerkbar in die Synthesizer verwoben, ist er hier klar konturiert, bevor er von etwas wieder erstickt wird, das wie kreischende E-Gitarren klingt. „1709“ zieht das Tempo nochmal an, bleibt nach „Eva“ allerdings die Ausnahme. „Body Studies“ schummelt noch eine treibende Kickdrum unter den Sound wackelnder Maschendrahtzäune, sägender Störfrequenzen und Collerans verdichteten Gesang, aber im Angesicht der Umgebung von Tempo zu sprechen, wäre schlicht falsch.

„Luneworks“ endet mit einem Tribut an Murakamis Roman „Noruwei no Mori“, der in zwei Bänden erschien. Protagonist Tōru Watanabe kann sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden und dient so dem Album von MMOTHS als Analogie. Nicht nur zwischen Wach- und Traumzustand, sondern zwischen Ambient-Ästhetik und Tanzmusik. Am Ende steht die unbeantwortete Frage „Wo bist du jetzt?“. Wo auch immer das sein mag, MMOTHS scheint sich dort wohl zu fühlen.

Anspieltipps:

  • Para Polaris
  • Eva
  • 1709

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