The Jayhawks - Paging Mr. Proust - Cover
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The Jayhawks Paging Mr. Proust


  • Label: Sham Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Routinierter Rock, der nach über 30 Jahren Bandbestehen oftmals nach einer Fingerübung und dafür unverschämt gut klingt.

Als Wilco letztes Jahr ihr Album „Star Wars“ präsentiert haben, waren sich alle einig, dass die beliebte Rockband aus den USA davon profitiert hat, einfach mal drauf los zu spielen. Ob es tatsächlich so leicht ist, ist von außen oftmals nicht richtig zu bewerten. Was allerdings festgehalten werden kann, ist der einfach klingende Sound des Albums. Ohne Experimente, Duette und allerlei Geschnörkel haben Wilco ein für ihre Verhältnisse gewöhnliches Album veröffentlicht. Die Rock-Veteranen der Jayhawks nun in eine ähnliche Schublade zu stecken, wäre ein Fehler, doch „Paging Mr. Proust“ ist ebenfalls ein entspannt wirkendes Stück amerikanischer Rock'n'Roll.

„Lost The Summer“ ist das am leichtesten greifbare Beispiel, um „Paging Mr. Proust“ auf den Punkt zu bringen. Das Album ist gespickt mit leicht zugänglichen Melodien und wird von einer Stimmung gewogen, die seit Jahrzehnten einen festen Bestandteil der Musikbranche ausmacht und vielleicht nicht immer modisch, dank der Wahl der Instrumente aber immer zeitgemäß klingt. Zumindest kann das von Musik wie der auf „Paging Mr. Proust“ behauptet werden. In „Lost The Summer“ überzeugt die Band mit Beck'schen Elementen und versetzt den eigenen Stil mit der nötigen Würze durch clevere Percussions und am Sprechgesang angelehntem Gesang. Dabei hat die Band diese nahtlose Einfügung von Stilrichtungen gar nicht nötig.

Das Album sprüht vor entspannter Lebensfreude. Wenn „Lovers Of The Sun“ sich unwiderstehlich zärtlich in Gehörgängen festsetzt und selbst bei langsamster Gangart das anschließende „Pretty Roses In Your Hair“ für ein leichtes Mitschwingen beim Hörer sorgt, dann sind Rockfans mit Americana-Faible der ruhigeren Sorte zu Recht überglücklich. Nach dem Highlight des Albums, „Leaving The Monsters Behind“, und der erneut starken Melodie in „Isabel's Daughter“ schwindet sowieso der Verdacht, dass The Jayhawks ihr Pulver zum Auftakt verschossen hätten.

Für die Meckerer vom Dienst dürfen die lediglich ganz netten „Quiet Corners & Empty Spaces“ und „Ace“ hervorgehoben werden. Doch wer sich daran klammert, dass auf „Paging Mr. Proust“ nicht alles perfekt ist, der scheint guter Musik aktiv aus dem Weg gehen zu wollen. Die Jayhawks klingen routiniert und fast so, als hätten sie sich einfach mal wieder getroffen, um das zu tun, was sie immer tun. Bei genug Talent und der richtigen Chemie kommt dabei dann scheinbar ganz entspannt ein kleines Juwel heraus, das statt Neuerungen auf althergebrachte Qualitäten setzt und die Hörer mit diesen geradezu überhäuft.

Anspieltipps:

  • Leave The Monsters Behind
  • Lovers Of The Sun
  • Lost The Summer

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