Babymetal - Metal Resistance - Cover
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Babymetal Metal Resistance


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Babymetal trumpfen mit viel Masse und viel Show auf, können mit dem Spektakel aber nicht genug Qualität verbinden.

Babymetal sollen in erster Linie eins sein: Idole. Wem das japanische Pop-Treiben nicht geläufig ist, für den rekapitulieren wir gerne kurz die ganz gewöhnlichen Umstände. Auch wenn es in Deutschland das beliebte Format um den nächsten deutschen Superstar gibt und die meisten um die amerikanische Version „American Idol“ wissen, ist das Idol-Dasein in Japan ein weitaus breiterer Beruf als hierzulande. In Japan ist man als Künstler im besten Fall Musiker, Model, Synchronsprecher und Schauspieler zugleich. Diese kurze Erläuterung macht es eventuell verständlicher, warum drei Mädchen in Gothic-Maid-Outfits zu metalorientierter Pop-Musik choreographierte Tänze aufführen.

Vielleicht ist es einfach nur die vermeintliche Einzigartigkeit des Konzepts, die den drei Damen Erfolg beschert. In der Regel hat man als Deutscher im Vorfeld Babymetals Single „Gimme Chocolate!“ als Internetkuriosität vorgefunden und die ganz Neugierigen werden sich eventuell das ganze Album angehört haben. Im Laufe der Jahre hat sich durchaus ein Kult um die Band entwickelt, weshalb nun der internationale Markt ausgetestet wird. Tatsächlich ist es hilfreich, dass diese Kritik ein paar Tage nach Release erscheint, weil zumindest der Erfolg der ersten Wochen erstaunlich ist. In den USA und in Deutschland ist das Album in den Top 40 und in Großbritannien hat es sogar für die Top 20 gereicht. Die Welt liegt der Band zwar noch nicht zu Füßen, aber das internationale Interesse wurde endgültig geweckt.

Das Album selbst ist in erster Linie für solche Menschen spannend, die bisher einen großen Bogen um japanische Zeichentrickfilme (Anime) gemacht haben. Viele der Tracks auf „Metal Resistance“ sind wie für die Eröffnungen und Abspanne von Serien gemacht, die in Japan oftmals Auftragsarbeiten darstellen, die regelmäßig in den Charts landen. Die Single „Karate“ und auch „Awadama Fever“, das dem Metal-Pop noch Drum and Bass unterlegt, sind pumpende Power-Pop-Hymnen, die schnell ins Blut übergehen. Dabei sind diese Lieder oft eine gute Minute zu lang, weil der catchy Refrain Trumpf ist und so lange auf die Trommelfelle losgelassen wird, bis auch lediglich vorsichtig geneigte Geister mitzuwippen beginnen.

Diese Formel beherrschen das Trio und wer immer auch noch im Hintergrund diese Lieder schreibt, nahezu perfekt. Selbst völlig überladene und unpassende Mischungen, die schon mal aus Ska-Rhythmen, kleinen Dub-Step-Einspielern und Synthie-Bombardements bestehen („Yava!“), werden in der Regel mit sehr einfachen Pop-Melodien umgeben, die auch für fremdsprachige Hörer leicht zu merken sind. Das lässt sich an den Balladen wie „Amore“ und „No Rain, No Rainbow“ einfacher erkennen, ist allerdings weitaus beachtenswerter, wenn selbst das überfrachtete „Yava!“ als ganz einfacher Pop-Song im Hirn abgespeichert wird.

Kommen tun die Hörer allerdings für die Show und für die Lieder, die diesen Geist des verrückt einprägsamen Metal-Pop-Spektakels treffen. Ernstgemeinte und damit meist konventionell klingende Oden an Classic-Rock („No Rain, No Rainbow“ und „The One (English Version)“) und Prog-Rock („Tales Of Destinies“) werden in der Regel wohl geskippt und sind nicht der Rede wert. Das bedeutet zum einen, dass auf „Metal Resistance“ viel Ausschuss vorzufinden ist, und zum anderen, dass das Hauptprogramm eine ziemlich einfache Gangart ist, die nur mit hübschen Schleifen und Totenköpfen verziert wird. Viele Menschen scheinen die Band bereits frenetisch zu feiern oder zumindest interessiert zu sein, auch wenn der Schleier des Andersseins leicht gelöst werden kann. Trotzdem wird sich so mancher dabei ertappen, zu „Karate“ und „Awadama Fever“ abzugehen. Und dann ist es für die meisten wahrscheinlich auch schon zu spät.

Anspieltipps:

  • Karate
  • Awadama Fever
  • Yava!

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