Mieke Miami - In The Old Forest - Cover
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Mieke Miami In The Old Forest


  • Label: Sonar Kollektiv/INDIGO
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Passend zum Frühlingsanfang: Mieke Miami holt den Hörer behutsam aus der Winter-Lethargie und bereitet ihn auf freundlichere Stimmungslagen vor.

Mieke Miami spielt Electro-Pop mit akustischen Folk-Elementen und trägt neben dem Gesang auch Saxophon-, Flöten- und Pianotöne zum Ergebnis bei. Der geschmeidige Band-Sound wird durch Carolina Bigge am Schlagzeug, Thomas Stieger an Bass und Gitarre und Johannes Saal, ebenfalls Gitarre sowie Keyboards, ergänzt.

Mieke Miamis Musik passt zum Beginn des Frühlings. Die Berlinerin fängt stimmungsmäßig den Übergang vom trüben Winter zu den hoffnungsvollen ersten wärmeren Tagen ein und gibt neben merkwürdigen Klangerlebnissen auch schon einen Ausblick auf beständigeres, mildes Klima. Verschlafen und introvertiert geht es erst mal los: Der unbekümmerte Gesang und ein entspannter Verlauf sind die Markenzeichen von „Break Of Dawn“. Die indianisch anmutende Trommel gibt dabei einen lockeren Takt vor.

So allmählich erwachen die Lebensgeister: Keyboard und Percussion klingen bei „In The Old Forest“ wie Spielzeug-Instrumente und Wiederholungen werden als hypnotische Stilmittel genutzt. Verhalten dringt auch der Klang von karibischen Steel-Pans an Ohr, was eine exotische Note hervorbringt. Für „UFO“ werden Drums/Percussion-Passagen führend eingesetzt, ohne übermütig zu werden. Sie machen bedächtig klatschend auf sich aufmerksam und der Bass pumpt dazu im Takt von „Another One Bites The Dust“ von Queen. Mysteriöse Stimmen und Töne bereiten dann noch auf eine Begegnung der dritten Art vor.

Die sonderbare Atmosphäre bleibt noch ein wenig erhalten: Synthesizer, die Gitarren- und Zither-Klänge nachahmen, scheinen zunächst gar nicht richtig zu „The Owl“ zu passen, da sie knapp versetzt zueinander zum Einsatz kommen. Diese Impulse sorgen bei dem im Grunde als Wiegenlied angelegten Ablauf für aufmunternde Störgeräusche und eine skurrile Stimmung. Verspielt, rhythmisch verdreht, gesanglich unbeteiligt, fast gleichgültig empfängt den Hörer die merkwürdig verschrobene Mischung von „Bantry Bay“. Angeregt pulsiert dann noch ein Synthesizer-Echo-Signal bei „Shine“. Der zurückgezogene Gesang ist hier bemüht, niemanden zu verschrecken.

Mieke kann aber auch die Leichtigkeit des Seins in Noten fassen: „Summer“ vermittelt das angenehme Gefühl, das entsteht, wenn ein warmer Tag an irgendeinem Gewässer verbracht wird. Behäbig aber nicht träge, sondern ausgeruht mit voller Wahrnehmung wird diese Zeit genossen. Saxophon und Flöte setzen erfrischende Duftnoten in diesem Szenario. Die Musik von „Fly“ hat aufgrund des sanften Flows auch eine entspannende und beruhigende Wirkung. Außerdem trägt der nüchterne Gesang, der klar und ungekünstelt, ohne kitschige Süße eingesetzt wird, zum ausgeglichenen Gesamteindruck bei. Das sonnige, unbeschwerte „August“ wird dann durch geschickt angeordnete Solo-Einlagen von akustischen Instrumenten geprägt.

Wenn Mieke bei ihren Kompositionen das Tempo erhöht, verliert sie jedoch die Bindung zu Sound und Song: „All Over“ ist eine alberne, pubertäre Billig-Tanz-Nummer, die wie ein Fremdkörper wirkt. Beim poppigen „Radioman“ singt die ansonsten sensibel agierende Künstlerin mit sich selbst im Duett. Eine durchschaubare Melodie und ein einfallsloser Refrain lassen den Track als unausgereiften Lückenfüller erscheinen.

Diese Liedersammlung mundet grundsätzlich angenehm süffig und ist ein leichter Genuss, der nicht den Appetit auf mehr verdirbt. Mit den nächsten Arbeiten wird sich zeigen, ob das Konzept der jungen Mutter auch weiterhin tragfähig ist und sich noch weiter ausbauen lässt.

Anspieltipps:

  • In The Old Forest
  • UFO
  • Shine
  • Fly
  • The Owl

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