Town Of Saints - No Place Like This - Cover
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Town Of Saints No Place Like This


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musik der Town Of Saints hat viele Gesichter. Da kann schon mal die klare Linie verloren gehen.

Es gibt Musik, die will auch nach dem x-ten hören nicht zusammenpassen und keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Intention der Künstler zulassen. Solch ein Fall ist „No Place Like This“, dem Zweitwerk der holländisch und finnisch besetzten Band Town Of Saints. Die Musiker sind um Abwechslung bemüht, aber ihre Ideen entfernen sich mitunter so weit voneinander, dass der rote Faden und damit die Bindung an die Künstler verloren gehen.

„Modern Life“ macht den Eindruck, als wäre eine neue Boygroup ins Leben gerufen worden. Zwischen Spandau Ballet und Take That sind hier Melodie, Refrain und Gesang angesiedelt. Da tauchen knallbunte Promo-Videos mit fröhlich tanzenden jungen Mädchen und sich cool gebenden Männern mit modernen Fönfrisuren vor dem geistigen Auge auf. Das ist Plastik-Pop mit schnell ablaufendem Haltbarkeitsdatum, austauschbar und belanglos. Ein denkbar schlechter Einstieg.

Ein um Melodik bemühter Bass-Lauf leitet „Short Circuit Breakdown“ ein. Das Hammer-Piano und eine ruppige Gitarre, die nur eine untergeordnete Rolle spielt, schließen sich an. Stürmische Ensemble-Intermezzi mischen den Ablauf immer wieder rasant auf. Das wirkt lebendig, unverhofft und abwechslungsreich. „Shapes“ klingt dagegen aufgrund des hohen Mädchengesanges wie Elfen-Pop mit süßlicher Melodie. „No Place Like This“ hat eine ähnliche Dramatik wie Echo & The Bunnymen-Aufnahmen und auch „It`s Beautiful“ ist Drama-Rock, leidend, jammervoll und pompös.

Einen breiteren Raum nehmen Songs ein, die vom Afro-Pop inspiriert sind, zumindest aber solche Stilelemente enthalten: „Needle In The Hay“ zeigt Anklänge an Folk, Pop, Afro-Funk und HipHop. Darüber wird eine Melodie gelegt, die sich steif verhält und nicht richtig rund läuft. „Do Ya Say“ erinnert in seiner Ausführung an The Teardrop Explodes, der Pop-Band von Julian Cope aus den 80er-Jahren. „Win“ wird von einer vom Afro-Pop inspirierten Gitarre geführt. Mann/Frau-Gesang, der wie von der ersten Prefab Sprout-LP inspiriert klingt, sorgt für filigrane Aspekte. Bewegliche Rhythmusstrukturen bringen zusätzlich Schwung ins Gefüge. Afro-Pop-Sprengsel muntern auch das im Grunde ruhige „Legions“ auf. Die lebhaften Gesangseinlagen sorgen dann noch für eine extra Portion Energie.

Eine weitere Domäne von Town Of Saints bildet der Indie-Folk-Rock: „Württemberg Calm“ ist flott und hat eine ansprechende Melodie, die durch unsentimentale Streicher und akzentuierten Duett-Gesang von Harmen Ridderbos und Heta Salkolahti begleitet wird. „Hold On“ ist mit fünfeinhalb Minuten Laufzeit das längste Stück der Platte. Über einen gleichbleibenden Rhythmus werden zwischendurch üppig wirkende Instrumenten-Spuren geschichtet. Es gibt auch immer wieder Erholungspausen, nach denen der Song neu aufgebaut wird. Der Gesang wird dann beinahe ins Ekstatische gesteigert.

Nach dem Opener zum Abgewöhnen fängt sich die Truppe im weiteren Verlauf und liefert eine ansprechende Leistung ab, ohne jedoch mit „No Place Like This“ als Gesamtleistung herauszuragen. Variationen, verschiedene Ausprägungen und andere Sichtweisen auf die Musik sind stets willkommen und erfrischend. Aber dann muss auch die Songsubstanz durchgängig stimmen. Die Abstecher in den Afro-Pop scheinen die tragfähigste Basis für die Musik der Town Of Saints zu sein, weil die Gruppe hier ihr bewegliches Potential am besten ausspielen kann.

Anspieltipps:

  • Short Circuit Breakdown
  • Win
  • Legions
  • Württemberg Calm

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