Rufus Wainwright - Take All My Loves: 9 Shakespeare Sonnets - Cover
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Rufus Wainwright Take All My Loves: 9 Shakespeare Sonnets


  • Label: Deutsche Grammophon
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
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Ein Rudel Rufus-Sonette zum 400. Todestag des englischen Lyrikers William Shakespeare.

Dass Rufus Wainwright (41) keinen typischen Singer/Songwriter von der Stange abgibt, machte der im kanadischen Montreal aufgewachsene New Yorker schon mit Frühwerken wie „Poses“ (06/2001), „Want One“ (09/2003) und „Want Two“ (03/2005) deutlich. Dass der Sohn von US-Folk-Legende Loudon Wainwright III allerdings irgendwann in der klassischen Musik landen und Opern komponieren würde, konnte vor zehn Jahren noch niemand ahnen. Den ersten Auftrag, eine Oper zu komponieren erhielt Wainwright im Jahr 2006 von der New Yorker Metropolitan Opera. Doch das „Prima Donna“-Projekt verlief nicht zur Zufriedenheit des Sängers und Songschreibers, sodass sich die Wege wieder trennten und Wainwright erst Jahre später, nach einer Crowdfunding-Kampagne in der Lage war, „Prima Donna“ zusammen mit dem BBC Symphony Orchestra einzuspielen.

Die Deutsche Grammophon brachte die Aufnahmen daraufhin im vergangenen Jahr auf den Markt. Zuvor hatte Rufus Wainwright aber schon den nächsten Auftrag im Dienste der klassischen Musik an Land gezogen. 2009 komponierte er für den amerikanischen Theaterregisseur Robert Wilson knapp zwei Dutzend Sonette für dessen Produktion „Shakespeares Sonette“, die im Berliner Ensemble (Theater am Schiffbauerdamm) uraufgeführt wurde. Später wurden fünf Sonette durch das San Francisco Symphony Orchestra eingespielt, sowie weitere drei Sonette auf dem Wainwright-Longplayer „All Days Are Nights: Songs For Lulu“ (04/2010), allerdings in anderee Form, verwendet.

Rechtzeitig zum 400. Todestag des englischen Lyrikers William Shakespeare, am 3. Mai 2016, hat Rufus Wainwright wiederum in Kooperation mit der Deutschen Grammophon weitere neun Sonette eingespielt, die seine Liebe zum Pop und zur klassischen Musik verbinden sollen. Musikalische Unterstützung bekam er dabei von der Berlin String Section, dem BBC Symphony Orchestra sowie Rezitatoren wie Helena Bonham-Carter, William Shatner und Carrie Fisher plus Gesangskollegen wie Florence Welch, Annas Prohaska und Schwester Martha Wainwright.

Mit „Take All My Loves“ wartet auf den Hörer ein übertrieben buntes, immer nah am Kitsch befindliches Kreativ-Feuerwerk, das sich nur schwer einordnen lässt. Für den einen oder anderen mag das Album weder Fisch (Klassik) noch Fleisch (Pop) sein, weil es viel zu sehr zwischen den Genres umherhüpft. Dabei werden einem zwischen kurzen Rezitationen der oben genannten Schauspieler und Kompositionen aus dem Bereich der klassischen Musik, Popsongs wie „When in disgrace with fortune and men’s eyes“, „Take all my loves“ und „A woman’s face“ geboten sowie, als kleine Überraschung, mit „Unperfect actor“ ein treibend-rauer Rocksong. Und das alles unter dem Shakespeare-Deckmantel.

Keine Frage, dieses Werk macht es dem Hörer nicht leicht. Aber darin besteht auch der Reiz. Denn 08/15-Ware gibt es schon zur Genüge. Rufus Wainwright turnt dagegen lieber zwischen den Stühlen herum und verbindet zwei Leidenschaften zu einem etwas überkandidelt wirkenden Kunstwerk, das scheinbar keine feste Zielgruppe im Auge hat.

Anspieltipps:

  • Farewell
  • Unperfect actor
  • Take all my loves
  • A woman’s face - Reprise
  • When in disgrace with fortune and men’s eyes
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