Gudrun Mittermeier - Mitternach - Cover
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Gudrun Mittermeier Mitternach


  • Label: Motor Entertainment
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein Witz: Sie hören Songs im Stile von Kate Bush, Soap & Skin, PJ Harvey und Daughter, gesungen im niederbayerischen Dialekt.

Gudrun Mittermeier (46) nur darauf zu beschränken, dass sie die Ehefrau des berühmten Komikers Michael Mittermeier („Back To Life“) ist, wäre zu einfach und doof. Als Künstlerin hat kann sie nämlich bis dato drei Songwriter-Pop-Alben unter dem Pseudonym Somersault vorweisen, dazu mit „Way to Mars“ einen kleinen Hit im Duett mit Xavier Naidoo. Doch was sie nun unter ihrem bürgerlichen Namen zusammen mit dem Produzenten-Team Udo Rinklin und Frank Pilsl (Tonbandgerät, Die Happy, Max Herre) auf die Beine gestellt hat, geht noch einmal in eine völlig andere Richtung.

Auf dem „Mitternach“ betitelten Longplayer hören wir sphärisch-melancholische Art-Rock- und Jazz-Pop-Klänge, eingehüllt in dunkel hallende Harmonien, vermengt mit der Performance einer Sängerin, die ihre Lieder im niederbayerischen Dialekt vorträgt. Dabei kommen einem sofort Vergleiche mit Kate Bush, Soap & Skin, PJ Harvey und Daughter in den Sinn. Wie gut, dass es für alles eine Schublade gibt. Denn „Mitternach“ ist nicht einfach nur Dialektmusik, bei welcher der geneigte Hörer ohne Textheft völlig aufgeschmissen ist.

Gudrun Mittermeier hat vielmehr einen morbiden Heimat-Soundtrack erschaffen, der in seiner gesamten Machart äußerst mutig ist. Denn hier weicht eine Künstlerin, die ursprünglich in der englischsprachigen Popmusik zuhause war und dort gute Arbeit abgeliefert hat, mächtig von den ausgelatschten Mainstream-Pfaden ab. Denn nur, weil auf „Mitternach“ bayerisch gesungen wird, haben wir es längst nicht mit einem Werk aus der Volksmusik-Sparte zu tun.

Andersherum wird ein Schuh draus! Und das macht es für das Album auch ein wenig kompliziert. Denn dass man als Künstler für seinen Mut nicht immer nur Lob erntet und mitunter auch mal ein Risiko eingehen muss, wird hier mit jedem Ton deutlich. Zum Vergleich: Wir kennen ja die Aufschreie unter den Gebührenzahlern, wenn mal ein Tatort am Sonntagabend nicht den gängigen Krimi-Spielregeln entspricht. Der Abend gilt gründlich als versaut. Sich einfach mal in andere künstlerische Perspektiven hineinversetzen? Fehlanzeige!

Gudrun Mittermeier hat auf „Mitternach“ eine außergewöhnlich intime und fast schon cinemaesk wirkende Atmosphäre geschaffen, aus der sich immer wieder ebenso düstere wie himmlische Melodien herauskristallisieren, mit denen das zunehmend langweiliger werdende tägliche Pop-Einerlei aufgebrochen wird. Allein das ist ein Grund, um dieses Werk herauszuheben und Entdeckern ans Herz zu legen.

Anspieltipps:

  • Hoam
  • Mei Heaz
  • Loan de o
  • Koid und alloa
  • Fliang ohne Fedan
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