Kendrick Lamar - Untitled Unmastered. - Cover
Große Ansicht

Kendrick Lamar Untitled Unmastered.


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 34 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kendrick Lamar: Ungekrönt und unbeugsam.

Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Bereits „To Pimp A Butterfly“ erschien trotz des Bewusstseins, dass da etwas kommen würde, für die meisten überraschend. K-Dot gab das Tempo vor, Fans und Presse liefen hinterher. So auch mit „Untitled Unmastered.“, das plötzlich über Streamingdienste und Download-Portale erhältlich war, physische Formate folgen nun. Wie schon beim meisterhaften „TPAB“ lohnt es sich, die Unterfangen des Ausnahmekünstlers zu verfolgen.

„Untitled Unmastered.“ zeigt, wie viel Material Kendrick Lamar noch für das bereits 16 Tracks starke Vorgängeralbum gehabt hätte. Genug für ein weiteres Album, hochwertig genug, es beinahe nonchalant unter die Leute zu bringen. Promo braucht es freilich nicht; nach der Tiefenanalyse der amerikanischen Gesellschaft im Vorjahr verhält sich Kendrick zu Presse und Publikum bereits wie Glocken zum Pawlowschen Hund. Auch richtige Songtitel spart sich der Rapper. Das clever getaufte „Untitled Unmastered.“ ist ausdrücklich weder eigenständiges Album noch Mixtape, sondern viel mehr Erweiterung des genauso bedeutungsschwangeren „To Pimp A Butterfly“.

Dass sich Sound und Thematik des Releases nahtlos an den Vorgänger anschließen, sollte vor dem Hintergrund kaum überraschen. Wieder flowt der Mann aus Compton über jazzige Produktionen, deren unheimliche Atmosphäre, tippelnde Gitarrenriffs und dominante Basslines besonders auf den Tracks vier und fünf an Flying Lotus' „You're Dead!“ von 2014 erinnern, was an den engen Beziehungen der Brainfeeder-Clique zur HipHop-Szene liegen könnte. Jazz-Botschafter Thundercat wirkte sowohl auf „TPAB“ als auch auf der FlyLo-Platte mit, derweil Kendrick mit einem prominenten Feature ebenfalls auf letztgenanntem beteiligt war.

Ging es in dem FlyLo-Track noch um den Übergang vom Dies- ins Jenseits, stellt sich Lamar auf „Untitled Unmastered.“ in Anklage vor Gott („Get god on the phone!“), visualisiert die Apokalypse mit gottgesandten Plagen. Dann kehren Ruhe und Selbstreflektion ein, das Konzept, das auf „To Pimp A Butterfly“ vorherrschte, scheint auch hier klar durch. Zwischen langsamen Trap-Breaks und Trompeten, die hypnotisch Schlangenlinien fahren, in wechselnden aber nie holprigen Flows, kritisiert Kendrick Philosophien und das Machtgefälle amerikanischer Kulturen am Rand zum Rassismus. Dazu Bibelreferenzen, Selbstzweifel und Pimp-Gedankengut, das mal als Projektionsfläche für Selbstkritik, mal als Identifikationspunkt dient.

Dass Kendrick mit dem zwiespältigen Verhältnis zur eigenen Kultur, der Dualität seines Daseins zwischen Stardom und Herkunft, immer wieder einen Nerv trifft, beweisen wieder mal die jüngsten Proteste gegen Trumps Präsidentschaftskandidatur, wo Demonstranten „Alright“ anstimmten. Es kommt nicht oft vor, dass ein Künstler den politischen Nagel so sehr auf den Kopf trifft und damit Massen erreicht. K-Dot scheint sich der Verantwortung bewusst zu sein und hält das Thema aktuell. Mit „Untitled Unmastered.“ liefert er neuen Gesprächsstoff, neue Gedankenstränge und nicht zuletzt schlicht gutes Kopfnicker-Material.

Anspieltipps:

  • untitled 02 06.23.2014.
  • untitled 03 05.28.2013.
  • untitled 07 2014 - 2016

Neue Kritiken im Genre „HipHop/Rap“
6/10

Trip
  • 2021    
Diskutiere über „Kendrick Lamar“
comments powered by Disqus