Biffy Clyro - Ellipsis - Cover
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Biffy Clyro Ellipsis


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was bei Muse inzwischen gehörig nervt, hat nun auch bei Biffy Clyro Einzug gehalten.

Mit ihrem letzten Studioalbum „Opposites“ (01/2013) erreichten die Schotten Biffy Clyro zum ersten Mal den ersten Platz der Album-Charts im heimischen Großbritannien. Das Werk wurde mit einer aufwendigen Tournee begleitet, die sich bis ins Jahr 2014 hinzog. Danach brauchte die Band eine Auszeit, die sich quasi durch das gesamte Jahr 2015 hinzog, zumal Mastermind Simon Neil in ein mehrwöchiges, persönliches und kreatives Loch, inklusive Schreibblockade und Panikattacken fiel. Erst eine Reise in die USA, wo Neil mit seiner Familie ein paar Monate in Kalifornien verbrachte, sorgte für die Befreiung.

Als es dann an die Arbeit für den inzwischen siebten Studio-Longplayer ging, sorgten Biffy Clyro erst einmal für frischen Wind. Sie beendeten die Zusammenarbeit mit ihrem Stammproduzenten GGGarth Richardson einvernehmlich und heuerten stattdessen den Amerikaner Rich Costey an, der schon mit so unterschiedlichen Acts wie Frank Turner, Franz Ferdinand, Sigur Rós, Muse, Santigold, Foster The People und Fiona Apple zusammengearbeitet hat. Inhaltlich hatte sich Simon Neil vorgenommen, mit einigen Leuten abzurechnen und „seinen Ärger und seine Frustration nach außen zu tragen“. Es sollte also niemand rosa Wattebäuschen von „Ellipsis“ erwarten. Biffy Clyro wollen heuer den Arsch des Hörers aufreißen. Doch ist das wirklich so?

Nachdem „Opposites“ noch ein üppiges Doppelalbum war, besannen sich Simon Neil (Gesang, Gitarre), James Johnston (Bass) und Ben Johnston (Drums) auf „Ellipsis“ wieder auf einen knackigen Kern mit 39 Minuten Spielzeit. Trotzdem dauerten die Aufnahmen satte sechs Monate. Ein deutliches Signal, dass der Weg zum Ziel wieder einmal kein einfacher war. Schließlich wollen es die Schotten sowohl ihren frühen Fans, als auch den Mainstream-Verehrern recht machen. Daraus resultiert eine gewisse Zerrissenheit. Ein bisschen Emo, eine große Schippe Pop, etwas Hardrock und ganz viel Pathos. Was bei Muse inzwischen gehörig nervt, hat nun auch bei Biffy Clyro Einzug gehalten.

Das Trio holte sich allen Ernstes einen Kinderchor ins Studio („Friends and enemies“), lässt tatsächlich einen „Uh, uh, uh, uh“-Refrain geschehen („Animal style“), schwingt die Stadion-Rock-Keule („Wolves of winter“, „Flammable“), haut einen Country-Song raus („Small wishes“) und schmeichelt sich mit ultra-weichgespülten Balladen beim Hörer ein („Re-arrange“, „Medicine“). Progressiv ist daran eigentlich nichts mehr, auch wenn dieses Stilelement nicht gänzlich verschwunden ist („Herex“). Leicht macht es die Band dem Hörer mit dieser Mischung jedenfalls nicht.

In jedem Song greifen die Schotten zu großen Gesten, die im Gewand der Rich-Costey-Breitwand-Produktion fast schon aufdringlich wirken und sehr zulasten des einstigen Charmes der Band gehen. Mit Stücken wie „Howl“ sind Biffy Clyro sogar nicht mehr weit von Bon Jovi entfernt. Das ist schon etwas erschreckend. Denn rundgelutschter und weichgespülter als auf „Ellipsis“ klangen Biffy Clyro noch nie. Das muss nun erst mal verdaut werden.

Anspieltipps:

  • Howl
  • Herex
  • Flammable
  • On a bang
  • Friends and enemies
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