Helloween - Ride The Sky: The Very Best Of 1985-1998 - Cover
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Helloween Ride The Sky: The Very Best Of 1985-1998


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 143 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Noise lebt!“ ist eine achtteilige Reihe mit Samplern von Kreator, Helloween, Grave Digger, Kamelot, Sinner, Running Wild, Skyclad und Tankard.

Das Label Noise Records bringt verteilt über den Monat Mai 2016 eine Reihe von Best-Of-Samplern von acht ihrer einstmals besten Pferde im Stall (Helloween, Kreator, Grave Digger, Tankard etc.) neu auf den Markt. Ebenfalls sollen klassische Alben von Bands wie Celtic Frost, Voivod oder auch Coroner mit aktuellen Liner-Notes und seltenem Bonusmaterial wiederveröffentlicht werden. Was sich erst mal nicht sonderlich spannend anhört, verbirgt allerdings ein paar spannende Anekdoten. Doch wie kam es zu der Idee, den Noise-Katalog frisch auszuwerten?

Der Hintergrund ist erst einmal Business pur. Die im Jahr 2008 gegründete BMG Rights Management GmbH ist eine internationale Firma mit Sitz in Berlin unter dem Dach der Bertelsmann Gruppe, die auf die Auswertung von Musikrechten spezialisiert ist. Sie übernimmt auch die Administration und Vermarktung. Bertelsmann hatte sich 2008 von Sony Music und damit vom reinen Tonträgergeschäft verabschiedet und sucht sein Heil nun in der Rechteverwertung. Durch die Aufspaltung und Übernahme der EMI-Gruppe durch Warner und Universal Music im Jahr 2013, standen einzelne Labels und Musikkataloge des ehemaligen Majors aus kartellrechtlichen Gründen zum Verkauf.

Darunter u.a. auch der Musikkatalog des britischen Labels Sanctuary Records, der damals für 50 Millionen Euro an BMG ging. Sanctuary Records hatten einst im Jahr 2001 das deutsche Metal-Kult-Label Noise Records aufgekauft, das von Karl-Ulrich Walterbach gegründet und zu einem der führenden Genre-Labels Europas aufgebaut wurde. Durch die Übernahme von Sanctuary liegen nun auch die Rechte am Noise-Katalog bei BMG, die durch diverse Zukäufe inzwischen den viertgrößten Musikverlag der Welt unter ihrem Dach haben. Ihr neueste Aufgabe ist es, die wiederbelebte Noise-Sparte in den Markt zu drücken. Dies geschieht – wie gesagt – zuerst mit acht Samplern. Den Auftakt am 6. Mai 2016 machen die deutschen Bands Helloween und Kreator.

Helloween – „Ride The Sky: The Very Best Of 1985-1998“: Mit der Band Helloween erwachte der Heavy Metal in Deutschland auf breiter Ebene. Denn hier war tatsächlich eine Speed-Metal-Kapelle angetreten, die zu Höherem berufen war. Sprich: Ihre Songs und Alben waren Kanditen für hohe Chart-Positionen und das Line-up bestand nicht aus verwahrlosten Ruhrgebietspennern. Nein, Helloween waren auch BRAVO-tauglich: Blutjunge, hübsche Poster-Boys (okay, bis auf Weiki) mit im frühen Bon-Jovi-Stil toupierten Haaren, die sich im Jahr 1984 in Hamburg in der Besetzung Kai Hansen (Gesang, Gitarre), Markus Grosskopf (Bass), Michael Weikath (Gitarre) und Ingo Schwichtenberg (Drums) zusammenfanden und sich zwei Jahre später – als Entlastung für Gitarrist Kai Hansen – um den 18-jährigen Sänger Michael Kiske erweiterten.

Damit war eine Band geboren, die schon mit ihrem zweiten Album, „Keeper Of The Seven Keys Part 1“ (02/1987), in aller Munde war. Sie erreichte in Deutschland Platz 15 der Longplay-Hitparade und knackte in den Staaten die Billboard-Charts, in denen sie zwar keinen hohen Rang belegen, aber langfristig verweilen konnte. Der Löwenanteil der Kompositionen ging auf das Konto von Kai Hansen, der auch den 13-minütigen Monumental-Track „Halloween“ beisteuerte, wobei das Album insgesamt nur auf acht Songs mit einer Spielzeit von 37 Minuten kam. Doch das reichte, um das Feuer bei den Metal-Fans zu entfachen.

Nur 18 Monate nach „Keeper Of The Seven Keys Part 1“ folgte „Keeper Of The Seven Keys Part 2“ (08/1988). Das Werk war ursprünglich als Doppelalbum geplant, was bei Noise Records keine Unterstützung fand. Doch nun war es vollendet und die Kassen klingelten. Auch diesmal hatten Helloween mit der Weikath-Komposition „Keeper of the seven keys“ einen zentralen Longtrack in petto. Und noch etwas. Mit der Singleauskopplung „Dr. Stein“ erreichten Helloween zum ersten und einzigen Mal die Top 10 der deutschen Single-Charts.

Nach dieser fünfjährigen Erfolgswelle zogen allerdings dunkle Wolken auf. Ein neues Management wollte Helloween aus ihrem Vertrag mit Noise Records locken und bei der englischen EMI unterbringen. Daraus resultierte ein langjähriger und zermürbender Rechtsstreit. Kai Hansen verließ entnervt die Band und wurde durch Roland Grapow ersetzt. Danach dauerte es bis März 1991, bis das vierte Studiowerk „Pink Bubbles Go Ape“ endlich auf den Markt kam. Doch der Sound kam bei den Fans ebenso wenig an, wie der des Nachfolgers „Chameleon“ (05/1993). Die Band verwurstete in 12 Tracks diverse Stilarten, vernachlässigte ihre Wurzel sträflich und verzettelte sich bösartig.

Als Folge wollten Helloween mit „Master Of The Rings“ (07/1994) zurück zu ihrem alten Speed-Metal-Sound. Doch vorher standen weitere Umbesetzungen an. Drummer Ingo Schwichtenberg und Sänger Michael Kiske verließen die Band und wurden ersetzt durch Uli Kusch und Andi Deris. Den Hamburgern gelang mit „Master Of The Rings“ zwar kein Meisterwerk, aber der Wille zur Rückkehr zu ihren Wurzeln wurde in der Metal-Szene wohlwollend aufgenommen. Entsprechend blieben Helloween auch auf „The Time Of The Oath“ (02/1996) ihrem neuen alten Stil treu. Erst auf „Better Than Raw“ (04/1988) wurde wieder etwas mehr experimentiert und darüber hinaus auf mehr Härte gesetzt.

Mit dem „Better Than Raw“-Longplayer endet auch die Noise-Records-Rückschau in Form des vorliegenden Doppelalbums „Ride The Sky: The Very Best Of 1985-1998“, das knapp eineinhalb aufregende Dekaden in der Geschichte von Helloween abdeckt und dabei jede Menge Kultsongs, aber auch künstlerische Verwirrungen mitbringt. Wer sich also für die erste Hälfte in der inzwischen mehr als 30-jährigen Geschichte dieser Band interessiert, bekommt hier eine liebevolle und kostengünstige Auswertung ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • Judas
  • Dr. Stein
  • Halloween
  • I want out
  • Future world
  • Eagle fly free
  • Where the rain grows
  • Keeper of the seven keys
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