Boulevards - Groove! - Cover
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Boulevards Groove!


  • Label: Captured Tracks/CARGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Boulevards setzt Jamil Rashad auf die Wirkung des Groove als Tanzbodenfüller. Seine Arrangements sind dabei manchmal von alten Helden und oft von modernen Stilen geprägt.

Hinter dem Künstlernamen Boulevards steckt Jamil Rashad, der schon in frühen Jahren von seinem Vater, einem Radio-DJ, in die Welt des Jazz, Blues und Rhythm & Blues eingeführt wurde. Als Teenager interessierte er sich dann für die Punk- und Heavy Metal-Szene seines Wohnortes Raleigh in North Carolina. Nach der Ausbildung an einer Kunst-Schule widmete er sich mit dem Funk dann wieder einer anderen frühen Leidenschaft. Im Titel seines Debüts wird der Groove mit Ausrufezeichen angekündigt. Deshalb werden in dieser Hinsicht keine Zugeständnisse oder Kompromisse erwartet, sondern eine Breitseite an unwiderstehlich tanzbaren Tracks.

Boulevards legt dann auch stark los und schafft zu Beginn des Albums einen Standard, der Herkunft und Alter der Aufnahmen verschwimmen lässt. Traditionell groovende Tanzstile wie Funk und Disco gehen da eine muntere Verbindung mit heutigen Strömungen wie Electro-Pop und HipHop ein: „Set The Tone“ feiert die Auferstehung von James Brown und Rick James mit saftigem, schweißtreibendem Funk. Bei „Got To Go“ bildet der Disco-Sound der 70er-Jahre die Basis. Disco mit Gitarren-Sequenzen, die an den speziellen Sound von Nile Rodgers (Chic) erinnern, gibt es beim rhythmisch mitreißenden „Move And Shout“ und beim weniger hitzig vorgetragenen „Tender“ zu hören. Hier haben auch Earth, Wind & Fire deutliche Spuren als Inspiration hinterlassen.

„Cold Call“ wartet mit einer Grandmaster Flash-Gedächtnis-Synthesizer-Sequenz von „The Message“ auf. Der Old-School-HipHop wird im Verlauf in eine poppige Nummer überführt. Bei „Up On Your Love“ wird die Pop-Grundierung mit Soul-Einflüssen und exotischen karibischen Beigaben angereichert. Unter Groove-Gesichtspunkten gehen auch die beiden letztgenannten Nummern in Ordnung.

Bei den restlichen Tracks überwiegen dann trendige Einflüsse und der verwässerte Sound wird oft als Anbiederung an den aktuellen Massengeschmack empfunden. Das geht dann auch zu Lasten der zwingenden Tanzbarkeit und des markanten Songs. So sind „Running Back“ und „Patience“ Boy-Group-artige Show-Nummern ohne richtigen Biss. „Patience“ hat zusätzlich Rap-Bestandteile, die den durchgängigen Groove behindern. Insgesamt ist der Titel zu seicht und schlagerhaft inszeniert. Bei „The Spot“ spielen Rap- und HipHop-Einflüsse eine große Rolle, der Track ist trotzdem weitgehend tanzbodentauglich. Beim Rap von „Talk To Me“, „Weekend Love“ und „Love And Dance“ ist der Groove ziemlich löchrig. Der Bass ist zwar knackig, aber der Sprechgesang killt den Flow.

Jamil Rashad rückt also im Laufe des Albums von der druckvollen, breitbrüstigen, straffen, mächtigen Spielweise des Funk und der satten Disco-Rhythmen ab und wird softer, massenkompatibel und angepasst. Damit wirken seine Kompositionen auch austauschbarer und beliebiger. Er taucht in der grauen Masse unter, ohne sich als Individualist und Künstler zu empfehlen. Der anfangs überzeugende Crossover-Stilmix wird einer durchsichtigeren Sichtweise geopfert, die für Charts taugliche, dünnblütige Stücke hervorbringt. Gesanglich bleibt Jamil auch hinter seinen Möglichkeiten zurück, da er eine glatte Ausdrucksform anwendet, wo manchmal seine wilde Seite gefordert wäre. Beim nächsten Mal bitte ein durchgängig leidenschaftliches und bissiges Album vorlegen, dann klappt es auch mit einer besseren Bewertung.

Anspieltipps:

  • Set The Tone
  • Got To Go
  • Move And Shout
  • Up On Your Love
  • Cold Call

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