Silly - Wutfänger - Cover
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Silly Wutfänger


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Großen und Ganzen solide Kost, bei der grandiose Hooklines und einprägsame Melodien vermisst werden.

Im Jahr 2006 kehrten die Ost-Rocker Silly in neuer Besetzung mit Anna Loos am Mikrofon zurück. Seitdem liefert die Kultband in schöner Regelmäßigkeit neue Studioalben („Alles Rot“ und „Kopf an Kopf“), gefolgt von Live-Platten ab. Die Wettquoten dürften deshalb nicht allzu hoch ausfallen, wenn die Frage im Raum steht, ob im nächsten Jahr ein weiterer Silly-Live-Longplayer in die Läden kommt. Denn mit „Wutfänger“ liegt ab sofort ein brandneues Studiowerk vor, mit dem die Band im Oktober und November dieses Jahres auf ausgedehnte Tournee gehen wird.

Silly – Anna Loos (Gesang, Texte), Rüdiger Barton (Keyboards, Gesang), Uwe Hassbecker (Gitarre) und Hans-Jürgen Reznicek (Bass) – tüftelten diesmal länger und detailversessener an ihren neuen Songs, die sie zusammen mit Produzent Mic Schroeder (Joris, Glasperlenspiel, Thomas Godoj, Unheilig) aufgenommen haben. Sie verzichteten weitgehend auf digitalen Schnickschnack und verließen sich auf ihr Vintage Equipment, mit dem Silly „Wutfänger“ einen analogen Touch geben wollten.

Dieser, wenn man so will, etwas kernigere Sound (man höre dazu exemplarisch einen Song wie „Willkommen in der Gemeinschaft“) passt sehr gut zu einer Band mit einer fast 40-jährigen Vorgeschichte, die sich im aktuellen Pop-Umfeld behaupten muss und sich mit solchen Eigenschaften ganz passabel von der Masse abheben kann. Ein weiterer Unterschied zu (jüngeren) Ost-Gruppen wie zum Beispiel Silbermond ist, dass sich in den Silly-Songs nach wie vor eine gewisse Ostalgie widerspiegelt, die sich in Verbindung mit einer guten Portion Pathos („Mohnmilchstraße“, „Atme“) und politischen Inhalten („Kampflos“) zu einem zusätzlichen Alleinstellungsmerkmal herauskristallisiert.

Der künstlerische Rahmen ist damit im Großen und Ganzen solide abgesteckt. Leider fehlt es aber vielen Songs an dem bestimmten Etwas, um mehr als nur ein freundliches Abnicken zu ergattern. Wer zum Beispiel eine grandiose Hookline wie im Song „Alles rot“ vom gleichnamigen 2010er Album sucht, wird diesmal enttäuscht. Dafür wurde zwar die auf „Kopf an Kopf“ (2013) sehr markante Angleichung an Rosenstolz wieder eingestampft, doch der Weisheit letzter Schluss ist „Wutfänger“ damit leider auch nicht.

Anspieltipps:

  • Frei
  • Atme
  • Kampflos
  • Regenbogenmond
  • Das haben wir erlebt
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