Heino - Arschkarte - Cover
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Heino Arschkarte


  • Label: Starwatch/Sony Music
  • Laufzeit: 28 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn ich weit, weit weg bin, ob bei Juve oder Rrrrrrom, dann denk ich „Hamburg, meine Perle - Home, sweet Home“.

Ohne Holland, fahren wir zur EM! Trotzdem haben wir die Arschkarte gezogen. Denn der olle Enzian blüht mal wieder verrückt. Doch von Anfang an: Vom 10. Juni bis zum 10. Juli findet in diesem Jahr die fünfzehnte Fußball-Europameisterschaft in Frankreich statt. Ein Ereignis, auf das sich der Fan aus sportlicher Sicht freuen kann, wäre da nicht auch noch diese Parallelwelt mit einem kommerziellen Drumherum, dass einem das Kotzen kommt. In sämtlichen Branchen wird aus allen Rohren gefeuert und traditionell ein einziger, widerlicher Dschungel aus Waren auf den Markt geworfen, die dem Verbraucher unter dem Siegel des EM-Logos untergejubelt werden sollen.

Dabei gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch die Musikbranche rührt bei solchen Ereignissen regelmäßig im Geldtopf mit und wirft massenhaft fragwürdige Produkte auf den Markt. Dabei genügt es nicht, dass irgendjemand den Titelsong zum Turnier einspielen darf. Es wird Trittbrett gefahren, wo es nur geht. Man muss nur Ideen haben. Und Menschen, die sich für nichts zu schade sind. Menschen wie Heino, die sich mit 77 Jahren in einen Trainingsanzug quetschen, der vielleicht 1974 mal kurz in Mode war, und sich einen Haufen Lieder vorsetzen lassen, die mal mehr („Hamburg, meine Fußballperle“), mal weniger („Es gibt nichts auf der Welt“) etwas mit Fußball zu tun haben, um diese für ein Party-Album neu einzusingen.

Selten war ein Titel wie „Arschkarte“ treffender. Denn Heino bleibt dem musikalischen Stil der „Mit freundlichen Grüßen“- (02/2013) und „Schwarz blüht der Enzian“-Alben (12/2014) treu. Auf diese Weise bietet er neun (und nicht etwa elf, wie dem potenziellen Käufer weißgemacht werden soll, weil dümmliche, 30-sekündige „Seven nation army“-Intros und -Outros nicht zählen!) rockige Versionen von (u.a.) zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft eingesungenen Klassikern wie „Fußball ist unser Leben“ (Jack White) und „Buenos Dias Argentina“ (Udo Jürgens) plus weiterem Beiwerk an. Und das hat es wirklich in sich.

Denn Stücke wie „54, 74, 90, 2010“ (Sportfreunde Stiller) oder das bei den Haaren herbeigezogene „Samba de Janeiro“ (Bellini) werden mit rollendem R, dumpfen Beats und Gitarren-Riffs vergewaltigt, dass der Fremdschäm-Detektor ausschlägt, als gäbe es kein Morgen. Aber es geht leider noch schlimmer. Nämlich wenn Heino sich zum Schluss das Liverpooler Gänsehaut-Lied „You’ll never walk alone“ vornimmt. In diesem Moment meint der Hörer endgültig deutsche Panzer durch das Unterholz rollen zu hören. Deshalb: Pfui, mach das aus!

Anspieltipps:

  • Schwarz und Weiß
  • Buenos Dias Argentina
  • Fußball ist unser Leben
  • Hamburg, meine Fußballperle
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