Beyoncé - Lemonade - Cover
Große Ansicht

Beyoncé Lemonade


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Und wieder so ein Album aus dem Nichts.

Mit „Beyoncé“ (12/2013) hatte sie es schon einmal getan, und jetzt, mit „Lemonade“, wiederholt sie diesen Marketing-Gag (und mal ehrlich: mehr ist es doch auch nicht!): Ohne Ankündigung, quasi aus dem Nichts, stellte Beyoncé ihr neues Studioalbum online, um es dann ein paar Tage später ganz herkömmlich auf CD zu veröffentlichen. So wird eine künstliche Hysterie geschürt, die eine normale Promo-Phase obsolet macht, die sich allerdings auch so langsam tot zu laufen droht, da auch Drake, Rihanna, Kanye West und Kendrick Lamar ihre letzten Werke auf diese Weise auf den Markt brachten.

So glanzlos, aber wirksam wie Albumveröffentlichungen heutzutage inszeniert werden, muss von den Künstlern schon einiges kommen, um nicht in den Verdacht zu geraten, nur noch kühl kalkulierte Luftblasen ohne jegliche Halbwertszeit abzuliefern. Bei der einen oder anderen Veröffentlichung liegt der Verdacht jedenfalls arg nah. Beyoncé hält es mit ihren Werken zum Glück so, dass dem Fan tatsächlich etwas geboten wird. Sie bezeichnet ihre Werke „Beyoncé“ und nun auch „Lemonade“ als „Visual Album“, wo zu jedem Track auch ein aufwendiger Videoclip mitgeliefert wird. Ein künstlerischer Ansatz, auf den Puristen wohl verzichten könnten, aber sei’s drum.

Letztendlich zählt nur die Musik und sonst gar nichts, mit der sich Beyoncé scheinbar immer mehr vom Popstar-Image lossagen möchte und sich einen Warnaufkleber für die prüden Amerikaner auf dem Cover abholt („Strong language, sex references“). Und dies zurecht! Denn wenn Beyoncé gegen wen auch immer austeilt, dann hört sich das verpackt in knarzige Rock-Riffs von Jack White ganz schön böse an: „Who the fuck do you think I am? You ain't married to no average bitch boy. You can watch my fat ass twist boy. As I bounce to the next dick boy. And keep your money, I've got my own. Keep a bigger smile on my face, being alone. Bad motherfucker. God complex. Motivate your ass, call me Malcom X“.

Dass Beyoncé mit Jack White gemeinsame Sache macht, ist wieder einer dieser coolen künstlerischen Befreiungsschläge der Jay-Z-Gattin. Doch sie hat sich natürlich ein paar der üblichen Verdächtigen der R&B-, Dubstep- und HipHop-Szene ins Boot geholt, mit denen sie Highlights wie „Freedom“ (Kendrick Lamar), „6 inch“ (The Weeknd) und „Forward“ (James Blake) aus dem Hut zaubert. Aber Beyoncé kann es auch alleine, wie es die düstere Klanglandschaft in „Love drought“ oder die unfassbar eindringliche Pianoballade „Sandcastles“ zeigen und dabei die Vielseitigkeit der Sängerin unter Beweis stellen, die zudem mit „Daddy lessons“ noch einen akustischen Folk-Song (!) in petto hat, in dem Beyoncé die Beziehung zu ihrem Vater aufarbeitet.

Nach einem merkwürdigen Auftakt mit den Stücken „Pray you catch me“ und „Hold up“ steigert sich „Lemonade“ von Song zu Song in einen wahren Rausch, der bis zum Schluss anhält und das vorliegende Album zum bisher Besten in der Solokarriere 34-Jährigen macht, auch wenn darauf massive Singlehits fehlen. Aber genau das trägt zur ungestört dichten Atmosphäre von „Lemonade“ bei.

Anspieltipps:

  • 6 inch
  • Freedom
  • Forward
  • Sandcastles
  • Daddy lessons
  • Don’t hurt yourself
Neue Kritiken im Genre „R&B“
8/10

When I Get Home
  • 2019    
Diskutiere über „Beyoncé“
comments powered by Disqus