Brokof - Cool Fame - Cover
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Brokof Cool Fame


  • Label: Goldrausch Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die deutsche Alternative zu Wilco ist wieder da.

Brokofs „Side By Side“ kann man als deutscher Musikkritiker gar nicht oft genug loben. Klar, im Ausland gibt es mindestens genauso gute Interpreten, aber wenn in Deutschland schon mal wieder hohe Qualität erreicht wird, sollte das gefeiert werden. Zwar machen Brokof es der breiten Masse mit ihrem Folk-Rock schwer, aber das schmälert die Qualität ihrer Musik nicht. Diese Statements beziehen sich allerdings in erster Linie auf besagtes „Side By Side“. Die neue Scheibe „Cool Fame“ klingt so, als hätte die Band sich eine gewisse Anzahl von Beats per Minute verordnet, was den Liedern oft die Luft abschnürt.

„Worlds Collide“ führt die Hörer in die neue Soundidee ein, die hier auch durchaus funktioniert. Mit triumphalem Chorus und einer klugen Mischung aus schnellen Drums und gemütlichem Gesang schafft die Band es, weiter die eigenen Stärken auszuspielen. Dass das in langsameren Stücken wie „Hustler“ und „Fran“ funktioniert, wissen Fans der Band bereits. In „Give It Back“, „All I Do“ und „Eviction Notice“ zeigt sich dann aber leider eine gewisse Seelenlosigkeit. Die Lieder wirken im schlechten Sinne konstruiert und können weder durch Melodie, Gesang oder Rhythmus gefallen. Ein „Give It Back“ rauscht müßig an Hörerohren vorbei und „All I Do“ sowie „Eviction Notice“ zwingen sich Stimmungen auf, die sie nicht wirklich übertragen können.

Trotzdem wird aufgrund des guten Handwerks auch ein „Eviction Notice“ den einen oder anderen Hördurchlauf schaffen und der bisher nicht besprochene Teil des Albums kommt auch nicht mit Ausfällen daher. Auffallen tut jedoch eine gewisse Schwerfälligkeit, die auf „Side By Side“ so nicht oder zumindest nur selten vorhanden war. Viele Stücke wollen nicht richtig zünden und der Qualitätsunterschied zwischen generisch geformten Balladen („Running Around“) und gelungenen Vertretern („Hands Of Time“) ist auch für ungeübte Ohren schnell zu erkennen.

Wahrscheinlich wollten Brokof nicht einfach wieder wie auf dem Vorgänger agieren. Das ist ein löbliches Unterfangen, aber scheinbar ist noch keine klar geformte Idee vorhanden, wie der neue Stil klingen soll. Die Erinnerungen an das vorhergehende Album sind immer noch hörbar und nehmen ganze Lieder ein. „Worlds Collide“ ist der einzige Moment des Albums, der nach einem gelungenen Ausbruch aus alten Mustern klingt. Zum Glück für die Band ist die ausbleibende Befreiung letztlich das, was dieses Album über dem Wasser des Mittelmaßes hält. Hoffentlich lange genug, um mit der nächsten Scheibe den Schritt zu gehen, der auf „Cool Fame“ bereits getätigt werden sollte.

Anspieltipps:

  • Worlds Collide
  • Fran
  • Hands Of Time

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