Tarja - The Brightest Void - Cover
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Tarja The Brightest Void


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wurde der James-Bond-Song „Goldfinger“ schon jemals so schrecklich gecovert wie hier?!

Oh ha! Kein Jahr ohne neues Tarja-Album. Oder auch zwei. Denn nach 2014 („Beauty & The Beat“, „Left In The Dark“) und 2015 („Luna Park Ride“, „Ave-Maria En Plein Air“) wird auch dieses Jahr nicht ohne einen Doppeldecker der finnischen Ex-Nightwish-Trällerelse auskommen. Warum? Weil bei den Studioarbeiten so viele neue Songs angefallen sind, die zwar stark miteinander verwoben sind, aber unabhängig voneinander dastehen. Na gut. Was raus muss, muss raus. Schließlich ist Tarja auch nicht die erste Künstlerin, die aus den Sessions für ein Album gleich zwei Longplayer produziert hat.

So erleben wir zuerst mit „The Brightest Void“ das Prequel, bevor mit „The Shadow Self“ knapp acht Wochen später das Hauptwerk erscheint. Dass dabei nicht der Eindruck von vorgeschobener Ausschussware zum doppelten Abkassieren entsteht, kann nur Tarja selbst verhindern. Mit dem Opener „No bitter end“, der harte Metal-Riffs mit einer poppigen Melodie und dem typischen, operettenhaften Gesang der 38-Jährigen verbindet, liegt der Verdacht der schnellen Verwertung erst einmal nicht nahe. Auch Song Nummer zwei, „Heaven and hell“, macht ganz schön Alarm, wären da nicht ein paar komische Störgeräusche, die sich mit Blick ins Booklet als der Gesangspart von Michael Monroe entpuppen. Auch das jazzige Saxophon-Zwischenspiel, das den Song nur unnötig in die Länge streckt, ist irgendwie fehl am Platz.

Im dritten Track „Eagle eye“ schwingt Red-Hot-Chili-Peppers-Drummer Chad Smith die Trommelstöcke. Das lässt sich für den Laien zwar nicht zwingend heraushören, doch der Vermarktung des Albums tun solche Namen natürlich gut. Ansonsten ist „Eagle eye“ wie schon der Opener eine wuchtige Gothic-Rock-Hymne mit viel Pathos und einer schönen Melodie. Mit dem folgenden „An empty dream“ erreichen den Hörer erstmals Gedanken an Ausschussware. Frau Turunen knödelt sich einen Wolf, während der Song ziellos vor sich hin mäandert. Ein klarer Fall für die Skip-Taste.

Richtig düster und elektronisch ist „Witch hunt“. Das Stück fällt stilistisch zwar arg aus dem Rahmen, entwickelt aber eine beeindruckende Atmosphäre auf Grusel-Hörspiel-Niveau. Dann muss es aber auch gut sein mit den Abenteuern im Wichtelwald. Tarja kehrt mit „Shameless“ zurück in härtere Gefilde und lässt das Album dann mit zwei Coverversionen („House of wax“ von Paul McCartney und „Goldfinger“ von Shirley Bassey) sowie einem neuen Mix der Within-Temptation-Kollaboration „Paradise (what about us?)“ ausklingen. Und was sagt uns das am Ende? Genau, Herr Doktor! War gar nicht so schlimm. Bis auf die Coverversion von „Goldfinger“, die ziemlich grenzwertig ist und Glasscheiben zerspringen lässt.

Ansonsten kann sich „The Brightest Void“ unter dem Deckmantel eines Prequels mit lediglich zwei herausragenden Songs und jeder Menge Füllmaterial irgendwie durchs Ziel retten, was unterm Strich natürlich zu wenig ist. Aber da kommt ja noch mehr. Im August werden wir dann sehen bzw. hören, ob „The Shadow Self“ wirklich das große Ding ist oder im Prinzip kein Unterschied zur Vorhut namens „The Brightest Void“ besteht.

Anspieltipps:

  • Eagle eye
  • House of wax
  • No bitter end
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