James Blake - The Colour In Anything - Cover
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James Blake The Colour In Anything


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 76 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Ergebnis der vertonten Seelenpein auf „The Colour In Anything“ ist an Weinerlichkeit kaum zu überbieten.

Monatelang wurde das neue Album von James Blake mit dem Arbeitstitel „Radio Silence“ angekündigt, ohne dass sich bei dem britischen DubStep-Meister etwas Entscheidendes tat. Die Songs „Modern soul“ und „Timeless“ wurden vorausgeschickt, aber von einem Longplayer war weit und breit keine Spur. Dann machte es plötzlich Plopp und über Nacht stand am 6. Mai ein Werk namens „The Colour In Anything“ wie aus dem Nichts zum Download und Stream bereit. Damit schloss sich James Blake (27) der neumodischen Variante an, Alben ohne Promotion-Vorlauf rein digital aus der Hüfte zu schießen und den Überraschungseffekt als eigentliche Werbung für sich zu nutzen (siehe auch Beyoncé, Drake, Rihanna, Kanye West, Kendrick Lamar).

Auf die physische Veröffentlichung von „The Colour In Anything“ musste der geneigte CD-Käufer vier Wochen warten, bekommt dafür aber 17 Songs mit satten 76 Minuten Spielzeit vorgesetzt. In Anbetracht dessen, dass der Vorgänger „Overgrown“ (04/2013) inzwischen mehr als drei Jahre auf dem Buckel hat, sollte der Hörer damit rein quantitativ wieder versöhnt sein. Und auch sonst bekommen James-Blake-Fans, was sie erwarten durften, sprich: Eine Weiterführung des Sounds der erste beiden Alben, der heuer nicht mehr ganz so düster und kalt ausgefallen, aber immer noch typisch für ihn ist.

Denn James Blake hat weiterhin den Blues und ist unglücklich. Woher sonst sollte der Brite den Antrieb haben, seinen Kummer so plakativ auszuleben, in dem er Popmusik konsequent bis auf die Knochen dekonstruiert und zu einem minimalistischen, elektronisch-verfremdeten Irgendwas wieder zusammensetzt. Gar nicht ins Bild passt in diesem Zusammenhang, dass vier Songs von Rick Rubin (Ed Sheeran, Lady Gaga, Adele, Slayer, Jay-Z, Red Hot Chili Peppers, Public Enemy, Danzig) co-produziert wurden. In irgendeiner Form herauszuhören ist dies jedenfalls nicht. Mit einem Blick auf die immer beliebiger werdende Künstlerliste, muss man sich inzwischen sogar fragen, woher der Amerikaner seinen Legendenstatus als Produzent eigentlich her hat.

Aber sei’s drum. Auch wenn James Blake in dem kalten, musikalischen Grau heuer ein paar Farbtupfer mehr zulässt, die eventuell auf das Konto von Rubin gehen, ist das Ergebnis seiner vertonten Seelenpein auf „The Colour In Anything“ an Weinerlichkeit nicht zu überbieten und nur mit Coldplays Walgesängen auf „Ghost Stories“ (05/2014) zu vergleichen. Dazu kommt, dass fast 80 Minuten schlicht und ergreifend zu viel sind und einer Überdosis gleichkommen. Eine gewisse Monotonie auf der Zielgeraden kann jedenfalls nicht wegdiskutiert werden.

Anspieltipps:

  • Always
  • Timeless
  • I hope my life
  • F.O.R.E.V.E.R
  • The colour in anything
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