Alexis Taylor - Piano - Cover
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Alexis Taylor Piano


  • Label: Moshi Moshi/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
8.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Pop-Album demaskiert sich selbst.

Alexis Taylor, seines Zeichens auch als Hot-Chip-Frontmann bekannt, will nicht aufgeben. Nachdem es mit dem synthetischen Klang im Alleingang nicht wirklich funktionieren wollte, reduziert sich Taylor nun. Im wahrsten Sinne des Wortes beschränkt sich der Sänger auf das titelgebende Piano und seine Stimmte. Mit einem vermeintlichen Gospel-Sound macht er sich daran, direkt den Herrn zu lobpreisen („Crying In The Chapel“) oder erzählt von Beobachtungen über den „Lonely Vagabond“ und den „Repair Man“. Taylor reduziert sich auf „Piano“ allerdings nicht nur, sondern macht sich und den Hörern stilistisch etwas vor, wie ausgerechnet der Bonustrack verrät.

Nach „Don’t Worry“ erklingt ein Rauschen und Knistern, wie man es als Hörer von alten Vinyl-Aufnahmen kennt. Nicht nur wird damit mit dem Rest der Platte gebrochen, sondern es zeigt sich zur Akustikgitarre, dass Taylor letztlich ganz schlichte Pop-Songs schreibt. Der Gospel wird zwar hier und da aufgrund des melancholischen Piano-Klangs genutzt, doch auch hinter „I’m Ready“ und „So Much Further To Go“ verstecken sich ganz schlichte Pop-Stücke. Da hilft es dem Hörer leider nicht viel, dass Taylor auf diesem Album den einen oder anderen Verlust verarbeitet. Wenn es ihm hilft, dann ist das natürlich prächtig und dem Musiker bleibt nur zu wünschen, dass er mit seinem Leben in Frieden fortfahren kann. Katharsis ist wichtig, aber beim Hörer kommt davon aufgrund der sehr einfachen Lieder wenig an.

Wer der hohen, sanften Stimme des Sängers verfällt, der wird sich schwerer tun, dieses Album derartig einfach abzutun. Aber abgesehen von „I Never Lock That Door“ schafft Taylor es nicht, die Hörer bei der Stange zu halten. Viele Tracks klingen nicht abgeschlossen und Muster wiederholen sich. Ganz abgesehen davon, kommt z.B. ein „Lonely Vagabond“ wie ein Lied in Zeitlupe herüber, wenn die Pop-DNS des Albums erst einmal aufgedröselt ist. Die Lieder klingen oftmals nur so, als sollten sie zerbrechlich wirken. Wer genau hinhört, vermisst die herzzerreißenden Klänge. Deswegen bleibt es allein an „I Never Lock That Door“, sich wenigstens in die Hörerohren zu schmiegen und zumindest bittersüße Emotionen zu wecken. Das Risiko ist groß, wenn auf wenig Elemente gesetzt wird und dann nur weniges funktioniert. Alexis Taylor ist mit „Piano“ auf jeden Fall mutig, auch wenn nicht alles ineinandergreifen möchte.

Anspieltipps:

  • I Never Lock That Door
  • Crying In The Chapel
  • I’m Ready

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