Beginner - Advanced Chemistry - Cover
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Beginner Advanced Chemistry


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist los, Digger? Hamburg ist wieder auf der Karte. Die Beginner sind zurück. Unfickbar since 1991.

Dass die Beginner alias die derbste Band der Welt alias Denyo, Eizi Eiz und DJ Mad, irgendwann mal mit einem neuen Album wiederkommen würden, daran traute sich der Deutsch-Rap-Fan der 90er Jahre mit Blick auf die grandiose Vergangenheit der Hamburger („Flashnizm“, Bambule“, „Blast Action Heroes“) gar nicht zu denken. Satte 13 Jahre liegt der letzte Beginner-Output inzwischen zurück, mit dem die Band „auf die Eins gegangen ist“ und dem sie wohl nichts Adäquates folgen lassen konnte. Und nun ist es doch passiert, nachdem sich die Herrschaften solo mehr (Jan Delay), weniger (Denyo) oder gar nicht (DJ Mad), was Plattenveröffentlichungen betrifft, ausgiebig austoben konnten.

Doch jetzt lacht uns der Fuchs wieder an! Mit fünf Jahren Vorlauf, zwei Vorabsingles mit ultra-coolen Videoclips und einem merkwürdigen Albumtitel, den sich das Trio bei der Heidelberger Rap-Crew gleichen Namens entliehen hat, gehen die Beginner wieder steil: Unfickbar since 1991. Here we go! Und zwar in einem komplett veränderten Rap-Umfeld, in dem die Beginner beweisen müssen, dass sie kein wiederbelebter Witz aus den Geschichtsbüchern des HipHop sind. Denn auch wenn der Vergleich vielleicht hinken mag, aber genauso wie ihr ebenso kürzlich zurückgekehrter Artgenosse Der Wolf (sic!), rühren die Füchse in Tracks wie „Ahnma“ und „Es war einmal“ in ihrer eigenen Vergangenheit und erklären sich und der Rap-Welt noch einmal im Detail, warum sie die derbsten Styler auf diesem Planeten sind.

Einsteigen, Abfahrt! Und zwar mit einer entspannten Rap- und Beat-Ausstattung sowie Gästen wie Haftbefehl, Gentleman, Gzuz, Samy Deluxe, Dendemann und Megaloh. Auf diese Weise besteht nicht die Gefahr, dass der poppige Beginner-HipHop anno 2016 die Verbindung zur Straße verliert. So vermengt Eizi Eiz in „Schelle“ Sozialkritik mit extra-dicken Trap-Beats und einem lockeren Reggae-Rhythmus, während sich „So schön“ mit entspannten Funk-Grooves einschmeichelt, was beides an seine Solosachen erinnert. Dass dabei das eine oder andere Klischee gestreift wird („Kater“)? Geschenkt! Dass die Beginner in Kauf nehmen, hier und da wie eine Karikatur zu klingen („Rambo No. 5“)? Ebenfalls geschenkt!

Leute, nehmt euch ich Acht: Der hampelnde Pimmelkopp und seine beiden Kumpels rappen und knödeln wieder. Und deshalb muss „Advanced Chemistry“ genauso klingen, wie es klingt: Poppig, dick, hintersinnig, humorvoll, locker und eben nicht wie eines der pro Monat im Dutzend erscheinenden Street-Rap-Alben. Diese stecken die Beginner eh mit dem alles abräumenden Beat-Gewitter in „Rap & fette Bässe“ in die Tasche. Direkt in die Fresse. So geht das. Du willst lieber einen deepen Track? Dann nimm „Spam“. Du willst Old-School-Style? Dann gebe dir „Thomas Anders“. Du hast Bock auf den wacken Style von Haftbefehl? Dann mal los mit „Macha Macha“.

Fazit: Die Rückkehr der Beginner ist geglückt! Die Sorge, dass sie ihr eigenes Erbe mit dem vorliegenden Album beschädigen könnten, war unbegründet. Die Crew hat in „Advanced Chemistry“ alles reingelegt, was es für ein gelungenes HipHop/Rap-Album bracht: Dope Rhymes, dope Beats und dope Cuts. So, und jetzt kommst du!

Anspieltipps:

  • Schelle
  • Ahnma
  • Es war einmal
  • Thomas Anders
  • Rap & fette Bässe
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