Kaiser Chiefs - Stay Together - Cover
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Kaiser Chiefs Stay Together


  • Label: Long Branch Records/SPV
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist denn hier passiert? Die Kaiser Chiefs machen auf Electro- und Dance-Pop und setzen damit ihre eigene Identität aufs Spiel.

Nachdem die Kaiser Chiefs vor ein paar Jahren noch kurz vor dem Aus standen, ist die wegen ihrer genial-simplen Hitsingles wie „Ruby“, „I predict a riot“ oder auch „Oh my god“ von nicht wenigen Idioten angefeindete Band aus Leeds immer noch da und legt mit „Stay Together“ ihr inzwischen sechstes Studioalbum vor. Für die dumpfbackigen Hater der BritPopper ist dieses natürlich wieder ein willkommenes Fressen. Und fast scheint es so, als würden sich die Kaiser Chiefs einen Spaß daraus machen, indem sie mit Brian Higgins (50) einen Produzenten verpflichtet haben, der der neben seinen Jobs für die Pet Shop Boys, Gossip, New Order, Texas und Saint Etienne auch für seine Zusammenarbeit mit weiblichen Seicht-Popstars wie Rachel Stevens, Sugababes, Kylie Minogue, Girls Aloud und Gabriella Cilmi bekannt ist.

Wie dem auch sei. Bei den Kaiser Chiefs wird Popmusik mehr denn je und mit allen Konsequenzen großgeschrieben und mit dem neuen Album so extrem wie nie an aktuelle Trends angepasst, wie die Zuhilfenahme von externen Songwritern wie Wayne Hector, Miranda Cooper und Xenomania zeigt. Von ihrem Indie-Pop/Rock der frühen Tage haben die Kaiser Chiefs folgerichtig jede Menge eingebüßt und zugunsten einer noch mal verstärkten Eingängigkeit aufgegeben. Und nicht nur das. Zum ersten Mal klingen die Briten so richtig ekelig nach verkapptem Electro- („Press rewind“) und Dance-Pop („Happen in a heartbeat“), der sich nicht geniert, tief in schmierige Gefilde abzudriften („Parachute“).

Ab und an kann der geneigte Hörer zwar noch die Klänge einer E-Gitarre erspähen („High society“). Doch wenn das Ganze wie eine peinlich-schlechte Prince-Kopie klingt, ist der Spaß an der Freude schnell wieder im Keller. Und da kommt das Gute-Laune-Barometer auch bis zum Ende des Albums nicht mehr heraus. Denn die Kaiser Chiefs bieten heuer alles andere als ein Hit-Feuerwerk auf. Sie verbraten vielmehr Songs, die auch ein Robbie Williams in der tiefsten Krise abgelehnt hätte („Sunday morning“) und die der Band einen Großteil ihrer Identität raubt.

Einzig mit „Hole in my soul“ gelingt der Band wieder einer dieser unwiderstehlichen Kirmes-Ohrwürmer, für die sie geliebt und gehasst wird. Das ist allerdings zu wenig in Anbetracht der zähen Breitwand-Pop-Masse, mit der der Hörer auf „Stay Together“ in der übrigen Zeit erschlagen wird.

Anspieltipps:

  • Still waiting
  • Hole in my soul
  • We stay together
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