Barb Wire Dolls - Desperate - Cover
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Barb Wire Dolls Desperate


  • Label: UDR/WEA
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
3.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sound der Barb Wire Dolls (eine Entdeckung von Lemmy Kilmister!) kommt auf dem zweiten Album nicht so recht zur Entfesselung.

Von Lemmy selbst wurden die Barb Wire Dolls 2015 noch für das Motörhead-Label auserkoren. Das kann die Band sich ruhig als Qualitätssiegel ins Portfolio klatschen. Allerdings würde es überhaupt nicht zu ihnen passen, da der inzwischen verstorbene Altmeister an ihnen schätzte, dass sie sich nicht groß verstellt haben. Vom Auftreten her sind die auf Kreta ansässigen Damen und Herren augenscheinlich Punks, doch ihre Musik ist eine deutliche Hommage an die Zeit von Glam-, Hair- und Party-Metal. Heute betitelt diese Musik niemand mehr als Metal, doch die Barb Wire Dolls wissen ziemlich genau, wo sie herkommen.

Ohne Lemmy, aber mit jeder Menge Hintergrund-Starpower, will die Band sich und ihren Hörern jetzt beweisen, dass sie immer noch rau, dreckig und cool musizieren kann. Große Studios durften für die Aufnahmen herhalten und große Produzenten wie Jay Baumgardner und Howie Weinberg haben am Sound gefeilt, sodass „Desperate“ ein Werk aus der finanziellen Oberliga ist. Doch das Ergebnis ist erwartungsgemäß zahm ausgefallen. Das Werk ist ein potenziell starker Output, aber mit angelegter Handbremse. Der Opener „Drown“ sowie der Closer „Rhythm Method“ lassen beide deutlich durchblicken, dass die Fans live dazu ausflippen sollen. Auf dem Longplayer ist dagegen durchgehend die Kontrolle zu hören und zu spüren. „Desperate“ ufert nicht aus, sondern hält sich wiederholt selbst im Zaum, wenn es zu schnell, wild oder abgedreht werden könnte.

Dementsprechend ist, „Take Me Home“, das Highlight der Platte, ein von Natur aus mehr dem Glam gesonnener Track. Da dieses Lied nicht mit stampfenden Drums und bedrohlichen Gitarren und Basslines wie „Heart Attack“ zu beeindrucken versucht, kann es sich entfalten, ohne den Reglern in der Nachbearbeitung zum Opfer zu fallen. „Heart Attack“ hingegen sollte richtig wild sein, ist in seiner Produktion allerdings zu glatt gebügelt worden. Während der Bass die Aggressivität aus den Boxen drückt, wird das Schlagzeug immer wieder in den Hintergrund gezogen und der begleitende Gesang zu sauber gehalten.

Während „Drown“ und dem Titeltrack gibt es Momente, die neben Heavy Metal auch an Bands wie At The Drive-In erinnern. Diese Erinnerungen sind aber nur ein blasser Widerhall dessen, was das Original ausmacht. Der fehlende Mut, mit dem Gesang auch die Phase des Geschreis glaubwürdig zu überschreiten, kostet dem Album jedenfalls viel Energie, die garantiert vorhanden ist. Nur hörbar ist diese Kraft nicht und da die Musik der Barb Wire Dolls nicht von Vielfältigkeit, sondern von der grundlegenden Herangehensweise lebt, geht auf „Desperate“ leider viel von dem verloren, was möglich war.

Auf dem Soundsystem der Wahl wird „Desperate“ deshalb keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn laut aufdrehen hilft nur bedingt, wenn solide Musik und eine leicht unvorteilhafte Produktion aufeinandertreffen. Keine Frage: Mit einem Live-Auftritt tun sich die Fans sicher einen größeren Gefallen, weil diese Band eben nicht zu modernen Aufnahmevorgängen passt. Aber das ist schließlich auch ein Grund, warum Lemmy die Barb Wire Dolls interessant fand.

Anspieltipps:

  • Take Me Home
  • Rhythm Method
  • Blind To Your Misery
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