Bosco Rogers - Post Exotic - Cover
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Bosco Rogers Post Exotic


  • Label: Bleepmachine
  • Laufzeit: 33 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Post Exotic“ bedeutet bei Bosco Rogers eine Zeitreise, die sich bei Motown, Beach-Rock und Co. bedient.

Wer das Beste der 60er-, 70er- und 80er-Jahre vermisst, der darf den Sommer dank Bosco Rogers als gerettet sehen. Auf „Post Exotic“ treffen sich Flower Power, Surf-Pop und Beach-Rock unter dem Schirm des Psychedelischen. Diese musikalische Zeitreise wird mit moderner Produktion garniert und wirkt deswegen tatsächlich exotisch. Dazu trägt auch die kurze Spieldauer der insgesamt 13 Songs bei, da die Stile sich ständig wieder verändern und auch wenn alles passt, bleibt dem Hörer kaum genug Zeit, um dieses Album im Kopf verarbeiten zu können.

Der psychedelische Stampfer-Opener „Googoo“ ist bis zum Titeltrack längst wieder in Vergessenheit geraten, was nicht an vermeintlich mangelnder Qualität liegt. Das nicht einmal zweiminütige „Googoo“ ist eine echte Perle auf „Post Exotic“, doch bis zum gleichnamigen Song passiert schnell so viel, dass es nahezu unmöglich ist, diese Melodien in Fleisch und Blut übergehen zu lassen. „Anvers“ bringt die stärkeren Momente der früheren Arctic Monkeys zurück, während „The Middle“ an jedem Strand gern gehört sein sollte. Dann ergießt sich auch schon der laute Titeltrack über die Hörer und wenn dieser Sturm vorbei ist, sind noch nicht einmal zehn Minuten der Albumspielzeit vergangen.

Auf „Post Exotic“ wird kaum jemand Titel finden, die nicht in gewisser Weise Annäherungen an Vorbilder sind. Übel nehmen wird das dem Duo jedoch kaum jemand, wenn der Rock der vergangenen Jahrzehnte derart erfolgreich wie in „French Kiss“ wiederbelebt wird. Bosco Rogers setzen auf „style over substance“ und sind dabei in einem Maße stilsicher, dass man ihnen als Hörer daraus keinen Strick drehen wird. Spätestens wenn selbst stupide betitelte Tracks wie „Beach! Beach! Beach!“ und „Licky Licky Lick“ in ihrer Natur allein schon mitreißen, schütteln auch Kritiker ungläubig den Kopf. Besonders das psychedelische „Licky Licky Lick“ erinnert an inhaltlich entleerte, aber musikalisch konzentrierte dEUS-Kunst. Da darf schon mal der Hut gezogen werden.

Auch wenn dieses Album nur 33 Minuten lang ist, wird es für viele Hörer fast schon zu viel sein. Das liegt daran, dass Bosco Rogers keine Sekunde verschwenden. Selbst das 100-sekündige „Buttercup“ ist ein vollwertiger Track, der mit „Drinking For Two“ und „Beach! Beach! Beach!“ einen wahrlich flotten Surf-Pop-Dreier vervollständigt. Kritische Stimmen könnten anmerken, dass viele der Lieder auf „Post Exotic“ nicht im Kopf bleiben wollen, doch das müssen sie in Anbetracht des Unterhaltungswerts wahrscheinlich auch gar nicht. Diese halbe Stunde können Hörer bis zur Erschöpfung laufen lassen und werden doch immer in Bewegung bleiben und je nach Laune ihre Lieblinge auswählen. Für den Sommer ist dieses antreibende Werk auf jeden Fall genau richtig.

Anspieltipps:

  • Googoo
  • True Romance
  • Licky Licky Lick

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